Glasfaser-Ausbau 2026: Verfügbarkeit prüfen und richtig bestellen
Wer baut wo aus, was bedeuten FTTH, FTTB und Vorvermarktung, und wie prüfst du, ob Glasfaser an deiner Adresse liegt oder bald kommt? Der Leitfaden für 2026.
Lukas BrandtAktualisiert 24. Oktober 2026 8 Min. Lesezeit
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Glasfaser gilt als Zukunftstechnik, und der Ausbau läuft auf Hochtouren. Trotzdem erleben viele Haushalte dasselbe: Der Nachbarort hat Glasfaser, die eigene Straße nicht. Oder ein Anbieter wirbt mit Glasfaser, meint aber einen Kabelanschluss. Dieser Ratgeber erklärt, wer in Deutschland ausbaut, was die Begriffe bedeuten, wie du die Verfügbarkeit prüfst und wann du bestellen solltest. Stand: Oktober 2026.
Wer baut aus
Der Glasfasermarkt teilt sich grob in drei Gruppen.
Die Telekom baut vor allem in Städten und Ballungsräumen und ergänzt dort ihr DSL-Netz um FTTH. Ihre Tarife reichen von Glasfaser 150 für 47,95 Euro bis Glasfaser 1.000 für 72,95 Euro pro Monat.
Überregionale Glasfaseranbieter wie Deutsche Glasfaser (seit 2011, in 13 Bundesländern aktiv) und Deutsche GigaNetz (seit 2020, Hamburg) konzentrieren sich auf Kleinstädte, Gemeinden und Stadtränder. Sie bauen nur, wenn genug Haushalte vorab einen Vertrag abschließen.
Regionale Netzbetreiber wie NetCologne im Rheinland oder M-net in Bayern verlegen Glasfaser in ihrem Stammgebiet, oft im Besitz von Stadtwerken.
Dazu kommen Anbieter ohne eigenes Netz. 1&1, o2 und Vodafone vermarkten Glasfaseranschlüsse über die Netze anderer, teils über die Telekom, teils über Deutsche Glasfaser oder regionale Betreiber. Das bedeutet: Dieselbe Faser kann von mehreren Anbietern verkauft werden.
FTTH, FTTB, FTTC: Die Begriffe
Nicht jede „Glasfaser“ ist gleich. Entscheidend ist, wo die Faser endet.
- FTTH (Fiber to the Home): Die Glasfaser reicht bis in deine Wohnung. Volle Leistung, keine Kupferstrecke mehr. Das ist gemeint, wenn Deutsche Glasfaser, Deutsche GigaNetz oder die Telekom von Glasfaser sprechen.
- FTTB (Fiber to the Building): Die Faser endet im Keller, ab dort geht es über die Hausverkabelung aus Kupfer oder Koaxialkabel weiter. Schnell, aber mit Begrenzung durch die Hausleitung.
- FTTC (Fiber to the Curb): Die Faser endet am Verteilerkasten an der Straße, der Rest ist klassisches DSL oder Kabel. Vodafone und PŸUR bezeichnen so ausgebaute Kabelnetze teils als „Glasfasernetz“.
Verfügbarkeit prüfen in vier Schritten
1. Verfügbarkeitscheck bei mehreren Anbietern. Jeder Anbieter zeigt nur sein eigenes Netz und seine Vorleister. Prüfe Telekom, einen Kabelanbieter und einen regionalen oder überregionalen Glasfaseranbieter. Ergebnisse unterscheiden sich an derselben Adresse regelmäßig.
2. Breitbandatlas der Bundesnetzagentur. Der Gigabit-Grundbuch-Breitbandatlas zeigt adressgenau, welche Technik mit welcher Bandbreite verfügbar ist, unabhängig vom Anbieter. Er ist das neutrale Werkzeug, wenn Anbieterchecks widersprüchlich sind.
3. Kommune und Netzbetreiber fragen. Viele Gemeinden veröffentlichen Ausbaupläne auf ihrer Website, oft mit Zeitplan und zuständigem Anbieter. Bei geförderten Ausbauprojekten (Bund und Länder zahlen in unterversorgten Gebieten) steht dort auch, wann der Hausanschluss kostenlos ist.
4. Hausverwaltung oder Eigentümer. In Mehrfamilienhäusern braucht der Netzbetreiber die Zustimmung des Eigentümers für den Hausanschluss. Frag nach, ob eine Gestattungsvereinbarung schon unterschrieben ist. Fehlt sie, kommt die Faser nicht ins Haus, auch wenn sie in der Straße liegt.
Vorvermarktung: Warum der Zeitpunkt zählt
Deutsche Glasfaser, Deutsche GigaNetz und ähnliche Anbieter bauen nach dem Prinzip der Nachfragebündelung: In einem Gebiet läuft einige Monate eine Vorvermarktung. Erreicht der Anbieter die von ihm festgelegte Quote, häufig rund ein Drittel der Haushalte, wird gebaut. Wer in dieser Phase unterschreibt, bekommt den Hausanschluss kostenlos. Deutsche Glasfaser spricht von „keine Baukosten“, Deutsche GigaNetz nennt für Nachzügler 990 Euro mit Tarif und 1.990 Euro ohne Tarif.
Der Haken: Du unterschreibst einen Vertrag mit 24 Monaten Laufzeit, der erst Monate oder über ein Jahr später aktiv wird. Zwischen Vertragsschluss und Freischaltung läuft dein alter Anschluss weiter. Die Anbieter beginnen die Abrechnung erst mit der Freischaltung; achte darauf, dass das im Vertrag steht.
Was ein Glasfaseranschluss kostet
Preislich liegt Glasfaser 2026 nicht mehr über DSL. Beispiele für Regulärpreise, jeweils ab dem 13. Monat oder dauerhaft:
- 100 bis 150 Mbit/s: 39,99 Euro (Deutsche Glasfaser DG basic 100, o2 Home M Glasfaser, Deutsche GigaNetz MyNet 150 ab dem 7. Monat) bis 47,95 Euro (Telekom Glasfaser 150)
- 300 Mbit/s: 44,99 Euro (o2) bis 52,95 Euro (Telekom)
- 1.000 Mbit/s: 69,99 Euro (o2, Deutsche GigaNetz) bis 89,99 Euro (Deutsche Glasfaser)
Dazu kommen einmalige Kosten: Die Telekom verlangt 69,95 Euro Bereitstellungspreis, o2 9,99 Euro, Deutsche GigaNetz 59,99 Euro (zum Abruf mit Aktionscode erlassen). Der Router ist bei keinem der genannten Glasfaseranbieter dauerhaft inklusive, außer bei 1&1. Rechne 5 bis 7 Euro pro Monat oder den Kauf eines eigenen Geräts ein.
Was tun, wenn noch nichts ausgebaut ist
Liegt deine Adresse in keinem Ausbaugebiet, hast du drei Möglichkeiten. Du kannst beim zuständigen Anbieter oder bei der Gemeinde Interesse bekunden; viele Netzbetreiber planen neue Gebiete nach registrierter Nachfrage. Du kannst prüfen, ob dein Gebiet als unterversorgt gilt und für geförderten Ausbau vorgesehen ist, meist steht das im Ausbauplan der Kommune. Und du kannst mit einem flexiblen Vertrag überbrücken, etwa DSL Flex von 1&1 oder einem Flex-Tarif von o2, damit du beim Start der Glasfaser nicht in einer 24-Monats-Bindung steckst.
Umstellung von DSL oder Kabel
Beim Wechsel auf Glasfaser legt der neue Anbieter einen zusätzlichen Anschluss. Ein Techniker führt die Faser vom Keller in die Wohnung und montiert dort eine Glasfaser-Dose. Daran kommt ein Glasfaser-Modem (ONT) des Anbieters oder ein Router mit integriertem Glasfaseranschluss. Dein alter DSL-Router passt nicht ohne Modem. Die Festnetznummer kannst du mitnehmen; der Glasfaseranbieter beantragt die Portierung.
Fazit
Glasfaser lohnt sich, wenn sie an deiner Adresse liegt oder in der Vorvermarktung ist: Die mittleren Tarife kosten nicht mehr als DSL und liefern den fünffachen Upload. Prüfe die Verfügbarkeit bei mehreren Anbietern und im Breitbandatlas, kläre FTTH gegen FTTB, und bestelle in der Vorvermarktung, um Baukosten zu sparen. Aber behalte den alten Anschluss, bis die Faser wirklich leuchtet.
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