Internetanbieter wechseln ohne Ausfall: Schritt für Schritt
Vom Verfügbarkeitscheck bis zur Rufnummernmitnahme: So wechselst du den Internetanbieter, ohne offline zu sein, und welche Rechte dir das Telekommunikationsgesetz gibt.
Lukas BrandtAktualisiert 24. Oktober 2026 8 Min. Lesezeit
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Die meisten Menschen bleiben zu lange bei ihrem Internetanbieter, weil sie den Wechsel fürchten: Tage ohne Internet, Doppelzahlung, verlorene Telefonnummer. Dabei regelt das Telekommunikationsgesetz den Anbieterwechsel so streng, dass ein Ausfall von mehr als einem Arbeitstag für den Anbieter teuer wird. Wir zeigen den Weg Schritt für Schritt, mit den Fristen und Fallen, die wirklich zählen. Stand: Oktober 2026.
Schritt 1: Prüfe, wann du kündigen kannst
Seit der Reform des Telekommunikationsgesetzes Ende 2021 gilt: Ein Vertrag darf höchstens 24 Monate Mindestlaufzeit haben. Nach Ablauf verlängert er sich nicht mehr um ein Jahr, sondern läuft unbefristet weiter und ist jederzeit mit einem Monat Frist kündbar. Wenn du in der Mindestlaufzeit steckst, kannst du nur zum Ende kündigen, in der Regel mit einem Monat Vorlauf.
Schau in deine Vertragsunterlagen oder ins Kundenportal. Dort steht das Ende der Mindestlaufzeit. Ein Sonderfall: Hat der Anbieter die Preise erhöht oder liefert er dauerhaft deutlich weniger Geschwindigkeit als vertraglich zugesagt, kannst du außerordentlich kündigen oder den Preis mindern. Dafür brauchst du Messungen mit der Breitbandmessung der Bundesnetzagentur, mindestens 30 Messungen an drei Tagen.
Schritt 2: Finde den neuen Anbieter
Mach den Verfügbarkeitscheck bei mindestens zwei bis drei Anbietern, denn die Netze überschneiden sich nicht. An derselben Adresse kann Vodafone Kabel mit 1.000 Mbit/s liefern, die Telekom DSL mit 100 Mbit/s und 1&1 beides über Vorleister.
Vergleiche dann nicht den Aktionspreis, sondern den Durchschnittspreis über 24 Monate. Beispielrechnung: o2 Home L kostet 12 Monate 29,99 Euro und 12 Monate 44,99 Euro, im Schnitt 37,49 Euro. Dazu kommen 9,99 Euro Anschlusspreis und, wenn du keinen eigenen Router hast, 5,99 Euro Routermiete pro Monat. Bei 1&1 DSL 250 im Aktionsmodell zahlst du 6 Monate 0 Euro und 18 Monate 49,99 Euro, im Schnitt 37,49 Euro, aber mit Router inklusive. Gleicher Durchschnittspreis, unterschiedliche Gesamtkosten.
Schritt 3: Lass den neuen Anbieter kündigen
Das ist die wichtigste Regel: Kündige nicht selbst. Beauftrage im Bestellprozess des neuen Anbieters den Anbieterwechsel. Er übernimmt die Kündigung beim alten Anbieter, stimmt den Umschalttermin ab und sorgt dafür, dass dein alter Anschluss erst abgeschaltet wird, wenn der neue läuft. Dafür brauchst du deine Kundennummer beim alten Anbieter und, wenn du die Rufnummer behalten willst, die Rufnummernmitnahme im Auftrag.
Wenn du selbst kündigst, endet der alte Vertrag zum Kündigungstermin, egal ob der neue Anschluss schon funktioniert. Dann bist du offline, und niemand ist dafür verantwortlich.
Schritt 4: Der Umschalttag
Das Gesetz schreibt vor, dass der Wechsel die Versorgung nicht länger als einen Arbeitstag unterbrechen darf. Klappt das nicht, muss der alte Anbieter dich bis zum erfolgreichen Wechsel weiterversorgen, zu den alten Konditionen. Zudem hast du Anspruch auf Entschädigung: Ab dem zweiten Arbeitstag ohne Anschluss 10 Euro pro Tag oder 20 Prozent des Monatsentgelts, je nachdem was höher ist. Bei verpassten Technikerterminen gibt es ebenfalls eine Pauschale.
Bei einem Wechsel innerhalb derselben Technik (DSL zu DSL) ist der Umschalttag meist unspektakulär: Der neue Router wird eingesteckt, nach ein paar Stunden läuft alles. Bei einem Technologiewechsel (DSL zu Kabel oder Glasfaser) legt der neue Anbieter einen zweiten Anschluss, und du hast für eine Übergangszeit beide. Hier gilt die Ein-Tages-Regel nicht, weil kein Anschluss übernommen wird; plane zwei bis vier Wochen Überlappung ein und kündige den alten Vertrag erst, wenn der neue stabil läuft.
Schritt 5: Rufnummer behalten
Die Festnetznummer kannst du beim Anbieterwechsel kostenlos mitnehmen, auch nach Vertragsende noch einen Monat lang. Gib die Mitnahme im Bestellprozess des neuen Anbieters an. Der alte Anbieter darf die Portierung nicht verweigern. Bei einem Umzug in einen anderen Vorwahlbereich geht die Nummer verloren, das lässt sich technisch nicht ändern.
Schritt 6: Router zurückgeben oder behalten
Mietrouter musst du nach Vertragsende zurückschicken, meist innerhalb von zwei bis vier Wochen. Behalte den Versandbeleg. Hast du den Router gekauft, kannst du ihn dank Routerfreiheit beim neuen Anbieter weiterverwenden, sofern er zur Technik passt: Ein DSL-Router funktioniert nicht am Kabelanschluss, und für Glasfaser brauchst du ein Gerät mit Glasfaser-Modem oder ein Modem des Anbieters.
Was der Wechsel kostet
Der Anbieterwechsel selbst ist kostenlos, die Rufnummernmitnahme ebenfalls. Kosten entstehen nur durch den Anschlusspreis des neuen Anbieters (zwischen 9,99 Euro bei o2 und 69,95 Euro bei Telekom-Glasfaser) und eventuell durch einen neuen Router. Viele Anbieter erlassen den Anschlusspreis in Aktionen oder gewähren Wechselboni; frag im Bestellprozess danach, das Ersparte liegt oft bei 50 bis 100 Euro.
Sonderfall Umzug
Ziehst du um und kann der Anbieter die Leistung an der neuen Adresse nicht erbringen, darfst du mit drei Monaten Frist kündigen, auch mitten in der Mindestlaufzeit. Kann er liefern, läuft der Vertrag weiter und du zahlst in der Regel eine Umzugsgebühr. Der Verfügbarkeitscheck an der neuen Adresse ist deshalb der erste Schritt bei jeder Umzugsplanung.
Checkliste für den Wechsel
- Ende der Mindestlaufzeit und Kündigungsfrist notieren.
- Verfügbarkeit bei zwei bis drei Anbietern prüfen.
- Durchschnittspreis über 24 Monate inklusive Router und Einmalkosten berechnen.
- Beim neuen Anbieter bestellen, Anbieterwechsel und Rufnummernmitnahme beauftragen.
- Nicht selbst kündigen.
- Umschalttermin abwarten, bei Ausfall über einen Arbeitstag Entschädigung fordern.
- Mietrouter fristgerecht zurückschicken.
Fazit
Der Anbieterwechsel ist gesetzlich so geregelt, dass du kaum etwas falsch machen kannst, solange du eine Regel beachtest: Der neue Anbieter kündigt, nicht du. Rechne vorher den Durchschnittspreis über 24 Monate, prüfe die Verfügbarkeit bei mehreren Anbietern und plane bei einem Technologiewechsel Überlappung ein. Dann ist der Wechsel eine Sache von einem Nachmittag und spart oft 10 bis 20 Euro im Monat.
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