Dispozins vergleichen: Was Überziehen wirklich kostet
Zwischen 7,49 und 14,40 Prozent: Die Dispozinsen der Banken liegen weit auseinander. Wir rechnen vor, was Überziehen kostet, und zeigen günstigere Alternativen.
Lukas BrandtAktualisiert 24. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit
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Der Dispositionskredit ist der bequemste Kredit, den es gibt: keine Beantragung, keine Laufzeit, einfach überziehen. Genau deshalb ist er auch einer der teuersten. Nach Daten der Bundesbank liegt der durchschnittliche Zins für Überziehungskredite privater Haushalte seit Jahren zweistellig, während Ratenkredite deutlich günstiger zu haben sind. Dieser Ratgeber erklärt, wie der Dispo funktioniert, was er bei den Banken in unserem Vergleich kostet und ab wann du ihn ablösen solltest. Alle Zinssätze Stand: Oktober 2026, aus den Preis- und Leistungsverzeichnissen der Anbieter.
Eingeräumt oder geduldet: Zwei Zinssätze
Jede Bank unterscheidet zwei Formen der Überziehung. Der eingeräumte Dispositionskredit ist der Rahmen, den die Bank dir nach Bonitätsprüfung zusagt, typischerweise ein bis drei Nettogehälter. Innerhalb dieses Rahmens zahlst du den Dispozins. Die geduldete Überziehung beginnt, wenn du über den Rahmen hinausgehst oder gar keinen Dispo hast und die Bank eine Lastschrift trotzdem ausführt. Dafür verlangen viele Banken einen höheren Zins.
Im Vergleich sind beide Sätze bei der DKB (9,66 Prozent, mit Aktivstatus 9,06 Prozent), Consorsbank (9,90 Prozent) und N26 (13,4 Prozent) identisch. Deutlich auseinander liegen sie bei comdirect (8,90 gegenüber 13,40 Prozent), C24 Bank (7,49 bis 11,49 gegenüber 11,49 Prozent) und Commerzbank (11,90 gegenüber 14,40 Prozent). Openbank staffelt nach Betrag: 10,45 Prozent bis 500 Euro, 11,45 Prozent bis 1.000 Euro, 13,70 Prozent darüber. Die ING nennt je nach Dokument rund 9,14 oder 9,39 Prozent. Trade Republic bietet gar keinen Dispo an.
Was Überziehen konkret kostet
Dispozinsen werden taggenau berechnet und einmal im Quartal belastet. Die Formel: Betrag × Zinssatz × Tage ÷ 365. Die folgenden Zahlen sind Beispielrechnungen.
1.000 Euro für 30 Tage überzogen:
- C24 Bank bei bester Bonität, 7,49 Prozent: rund 6,20 Euro
- comdirect, 8,90 Prozent: rund 7,30 Euro
- DKB, 9,66 Prozent: rund 7,90 Euro
- Consorsbank, 9,90 Prozent: rund 8,10 Euro
- Openbank, 11,45 Prozent (Stufe bis 1.000 Euro): rund 9,40 Euro
- Commerzbank, 11,90 Prozent: rund 9,80 Euro
- N26, 13,4 Prozent: rund 11,00 Euro
Einmal im Jahr für ein paar Tage ins Minus zu rutschen, kostet also wenige Euro, egal bei welcher Bank. Der Unterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter beträgt bei 1.000 Euro und einem Monat knapp 5 Euro.
2.000 Euro dauerhaft überzogen, ein Jahr lang:
- C24 Bank, 7,49 Prozent: rund 150 Euro
- comdirect, 8,90 Prozent: rund 178 Euro
- DKB, 9,66 Prozent: rund 193 Euro
- Commerzbank, 11,90 Prozent: rund 238 Euro
- N26, 13,4 Prozent: rund 268 Euro
Hier liegt das eigentliche Problem. Wer dauerhaft im Minus steht, zahlt bei der teuersten Bank fast 120 Euro mehr pro Jahr als bei der günstigsten, und in jedem Fall mehrere hundert Euro für einen Kredit, den er nie bewusst aufgenommen hat.
Geduldete Überziehung, 500 Euro über dem Rahmen für 20 Tage:
- comdirect, 13,40 Prozent: rund 3,70 Euro
- Commerzbank, 14,40 Prozent: rund 3,90 Euro
Auch das klingt nach wenig. Aber die geduldete Überziehung ist ein Warnsignal: Die Bank kann sie jederzeit beenden und Lastschriften zurückgeben, was Rücklastschriftgebühren beim Gläubiger und einen Vermerk in deiner Zahlungshistorie nach sich zieht.
Ab wann der Dispo zu teuer ist
Als Faustregel gilt: Für wenige Tage oder ein bis zwei Wochen im Monat ist der Dispo in Ordnung, weil die absoluten Beträge klein sind und jede Alternative Aufwand kostet. Stehst du aber jeden Monat mehr als zwei Wochen im Minus oder kommst über Monate nicht aus dem Dispo heraus, hat sich der Kredit verfestigt. Dann lohnt sich der Vergleich mit einem Ratenkredit.
Ratenkredite kosten nach Bundesbank-Statistik im Durchschnitt deutlich weniger als Dispokredite, bei guter Bonität oft die Hälfte. Bei 3.000 Euro Dauer-Dispo zu 11 Prozent zahlst du rund 330 Euro Zinsen im Jahr. Ein Ratenkredit über 3.000 Euro zu 6 Prozent über zwei Jahre kostet insgesamt rund 190 Euro Zinsen, und nach zwei Jahren ist das Minus weg, weil die Rate das Tilgen erzwingt. Der Dispo hat keine Tilgung, deshalb bleibt er.
Was den Dispozins bei der Kontowahl bedeutet
Wer nie überzieht, kann den Dispozins bei der Kontowahl ignorieren. Für alle anderen ist er ein Kriterium, aber nicht das wichtigste, solange die Überziehung kurz bleibt. In unserem Vergleich gewichten wir ihn innerhalb des Kriteriums Gebühren.
Auffällig sind drei Dinge. Erstens: Die bonitätsabhängige Spanne der C24 Bank bedeutet, dass nur Kunden mit sehr guter Bonität den Einstiegssatz von 7,49 Prozent bekommen; andere landen bei 11,49 Prozent und damit im Mittelfeld. Zweitens: Die Neobank N26 ist mit 13,4 Prozent teurer als die Filialbank Commerzbank beim eingeräumten Dispo. Das Vorurteil „Direktbank gleich günstig" gilt beim Dispo nicht automatisch. Drittens: Trade Republic verzichtet komplett auf einen Dispo. Das schützt vor Zinsen, aber nicht vor Rücklastschriften, wenn das Konto nicht gedeckt ist.
Dispo vermeiden: Vier praktische Maßnahmen
- Puffer aufbauen. Ein halbes Nettogehalt als Bodensatz auf dem Girokonto fängt die meisten Monatsschwankungen ab. Bei Banken mit Guthabenzins wie Trade Republic oder C24 kostet der Puffer nicht einmal Rendite.
- Abbuchungstermine bündeln. Lass Miete, Versicherungen und Abos möglichst in den Tagen nach dem Gehaltseingang abbuchen, nicht am Monatsende.
- Unterkonten nutzen. Pockets oder Spaces, wie C24 und N26 sie anbieten, trennen Fixkosten von freiem Budget. Was im Fixkosten-Topf liegt, wird nicht versehentlich ausgegeben.
- Benachrichtigung aktivieren. Fast jede Banking-App kann warnen, wenn der Kontostand unter eine Grenze fällt. Ein Hinweis bei 200 Euro Restguthaben verhindert mehr Dispo als jede Zinstabelle.
Fazit
Zwischen 7,49 und 14,40 Prozent liegt bei den Banken in unserem Vergleich fast ein Faktor zwei. Für gelegentliches, kurzes Überziehen ist das egal, die Kosten bleiben im einstelligen Euro-Bereich. Wer dauerhaft im Minus steht, zahlt dagegen jedes Jahr mehrere hundert Euro und sollte den Dispo mit einem Ratenkredit ablösen, der ihn zum Tilgen zwingt. Bei der Kontowahl zählt der Dispozins vor allem für Menschen, die wissen, dass sie ihn nutzen: Dann sind comdirect, C24 mit guter Bonität und die DKB die günstigsten Adressen, N26 und Commerzbank die teuersten.
comdirect
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