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Einlagensicherung: Wie sicher ist mein Geld bei Neobanken?

100.000 Euro sind EU-weit gesichert, aber nicht überall gleich. Wir erklären gesetzliche und freiwillige Sicherung, Auslandslizenzen und was bei einer Pleite passiert.

Lukas BrandtAktualisiert 24. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit

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Eine Bank ohne Filiale, gegründet vor wenigen Jahren, mit Sitz in Berlin, Madrid oder Vilnius: Ist mein Gehalt dort genauso sicher wie bei der Sparkasse um die Ecke? Die kurze Antwort lautet: bis 100.000 Euro ja, überall in der EU. Die lange Antwort ist interessanter, denn die Unterschiede liegen oberhalb dieser Grenze, in der Frage, welches Land im Ernstfall zahlt, und darin, wo dein Geld überhaupt liegt.

Die gesetzliche Grundlage: 100.000 Euro pro Kunde und Bank

Seit 2014 gilt in der gesamten EU die Einlagensicherungsrichtlinie. Jedes Mitgliedsland muss ein Sicherungssystem betreiben, das Einlagen bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank schützt. Gesichert sind Guthaben auf Girokonten, Tagesgeld, Festgeld und Sparkonten, nicht aber Wertpapiere, Kryptowährungen oder Geld bei Zahlungsdienstleistern ohne Banklizenz.

Die Grenze gilt pro Person und pro Institut. Ein Gemeinschaftskonto von zwei Personen ist also bis 200.000 Euro gesichert. Wer 150.000 Euro bei einer Bank hält, verliert im Ernstfall 50.000 Euro, es sei denn, eine zusätzliche freiwillige Sicherung greift. In bestimmten Lebenssituationen, etwa nach einem Hausverkauf, einer Abfindung oder einer Erbschaft, gilt in Deutschland für sechs Monate ein erhöhter Schutz von bis zu 500.000 Euro.

Die Entschädigung muss innerhalb von sieben Arbeitstagen ausgezahlt werden, nachdem die Aufsicht den Entschädigungsfall festgestellt hat. Du musst dafür keinen Antrag stellen, die Sicherungseinrichtung meldet sich.

Deutschland: Gesetzlich plus freiwillig

In Deutschland gibt es drei Säulen. Private Banken wie DKB, ING, comdirect oder N26 sind Pflichtmitglied in der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB), die die gesetzlichen 100.000 Euro garantiert. Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben eigene Systeme der Institutssicherung, die eine Pleite des einzelnen Instituts von vornherein verhindern sollen.

Zusätzlich betreibt der Bundesverband deutscher Banken den freiwilligen Einlagensicherungsfonds. Mitgliedsbanken sichern dort Einlagen deutlich oberhalb der gesetzlichen Grenze ab. Nach der Reform von 2023 liegt die Grenze für Privatpersonen bei 3 Millionen Euro pro Kunde (seit 2025) und sinkt 2030 auf 1 Million Euro. Wichtig: Der Fonds ist freiwillig, es besteht kein Rechtsanspruch auf Entschädigung, und nicht jede Bank mit deutscher Lizenz ist Mitglied. Ob deine Bank dabei ist, steht im Preis- und Leistungsverzeichnis oder in der Mitgliederliste des Bankenverbands.

Für die meisten Menschen ist der freiwillige Fonds akademisch: Wer weniger als 100.000 Euro auf dem Girokonto hat, ist durch die gesetzliche Sicherung komplett abgedeckt. Relevant wird er für Menschen, die größere Summen vorübergehend parken, etwa nach einem Immobilienverkauf.

Neobanken mit Auslandslizenz

Hier wird es für Neobank-Kunden konkret. Einige populäre Anbieter arbeiten mit einer Lizenz aus einem anderen EU-Land:

  • Revolut ist eine Bank mit litauischer Lizenz. Einlagen deutscher Kunden sind über das litauische System VĮ „Indėlių ir investicijų draudimas" bis 100.000 Euro gesichert.
  • Consorsbank ist keine eigene AG mehr, sondern eine Marke der BNP Paribas S.A. Niederlassung Deutschland. Gesetzlich zuständig ist der französische Fonds de Garantie des Dépôts et de Résolution; zusätzlich ist die Niederlassung Mitglied im deutschen freiwilligen Einlagensicherungsfonds.
  • Openbank gehört zur spanischen Santander-Gruppe, ist für deutsche Kunden aber seit der Umfirmierung der Santander Consumer Bank AG in Openbank Deutschland AG eine deutsche Bank mit EdB und freiwilligem Einlagensicherungsfonds. Die frühere Konstellation als spanische Zweigniederlassung gilt nicht mehr.
  • N26, C24 Bank und Trade Republic haben deutsche Vollbanklizenzen und gehören zur EdB, nennen aber keine Mitgliedschaft im freiwilligen Einlagensicherungsfonds.

Das Schutzniveau ist in allen Fällen identisch, weil die EU-Richtlinie es vorgibt. Unterschiede gibt es in der Praxis: Die Kommunikation im Entschädigungsfall läuft über die ausländische Einrichtung, Fristen und Formulare können abweichen, und die freiwillige Zusatzsicherung des deutschen Bankenverbands gilt nicht automatisch. Ein grundsätzliches Sicherheitsproblem ist eine Auslandslizenz nicht, solange das Land zur EU gehört. Bei Anbietern aus Drittstaaten oder mit E-Geld-Lizenz statt Banklizenz sieht das anders aus.

E-Geld-Institut oder Bank? Der wichtigste Unterschied

Nicht jede App mit Karte ist eine Bank. Zahlungsdienstleister und E-Geld-Institute dürfen Kundengelder verwalten, unterliegen aber nicht der Einlagensicherung. Sie müssen das Geld stattdessen auf Treuhandkonten bei echten Banken verwahren. Geht das Institut pleite, ist das Geld zwar vom Insolvenzvermögen getrennt, aber es gibt keine Entschädigungseinrichtung, die binnen sieben Tagen zahlt. Die Abwicklung kann Monate dauern.

Prüfe daher im Impressum oder im Preis- und Leistungsverzeichnis, ob dein Anbieter eine Banklizenz hat („Kreditinstitut", „Bank", Aufsicht durch BaFin, EZB oder die nationale Aufsicht des Lizenzlandes) oder nur eine Zahlungs- oder E-Geld-Lizenz. Alle Anbieter in unserem Vergleich sind lizenzierte Banken oder Zweigniederlassungen von Banken.

Wo liegt mein Geld eigentlich?

Eine Besonderheit haben Anbieter, die als Broker gestartet sind und inzwischen eine Banklizenz halten. Bei Trade Republic etwa wird Guthaben teils bei Trade Republic selbst, teils bei Partnerbanken verwahrt. Für dich bedeutet das: Der Schutz von 100.000 Euro gilt pro Bank, bei der dein Geld liegt. Welche Partnerbank das ist, kannst du im Kundenbereich einsehen. Hast du Geld bei derselben Partnerbank auch direkt angelegt, zählen beide Beträge zusammen.

Ähnliches gilt für Konten, deren Guthaben in Geldmarktfonds angelegt wird. Fondsanteile sind Sondervermögen und von einer Bankpleite nicht betroffen, sie unterliegen aber auch nicht der Einlagensicherung, sondern dem Marktrisiko des Fonds. Beides ist in Ordnung, man sollte nur wissen, welches Modell man gewählt hat.

Was im Ernstfall passiert

Stellt die BaFin oder die Aufsicht des Lizenzlandes den Entschädigungsfall fest, wird die Bank geschlossen und die Sicherungseinrichtung übernimmt. Sie ermittelt aus den Bankdaten, wem was zusteht, und zahlt innerhalb von sieben Arbeitstagen aus. Der letzte große Fall in Deutschland war die Greensill Bank 2021: Privatkunden erhielten ihre Einlagen innerhalb weniger Wochen über EdB und Einlagensicherungsfonds zurück. Kommunen, die als institutionelle Anleger nicht geschützt waren, gingen leer aus.

Während der Abwicklung ist dein Konto gesperrt. Lastschriften und Daueraufträge laufen nicht, die Karte funktioniert nicht. Wer sein Gehaltskonto bei einer einzigen Bank hat, steht einige Tage ohne Zugriff da. Das ist der praktische Grund, ein zweites Konto zu haben, unabhängig von der Frage, wie sicher die Bank ist.

Checkliste: Fünf Fragen an deine Bank

  1. Hat der Anbieter eine Banklizenz? Steht im Impressum. Ohne Banklizenz keine Einlagensicherung.
  2. In welchem Land? Bestimmt, welche Sicherungseinrichtung zuständig ist.
  3. Ist die Bank im freiwilligen Einlagensicherungsfonds? Relevant nur oberhalb von 100.000 Euro.
  4. Wo liegt das Geld? Bei der Bank selbst, bei Partnerbanken oder in einem Fonds?
  5. Hast du ein Zweitkonto? Für die Tage, in denen das Erstkonto gesperrt wäre.

Fazit

Bis 100.000 Euro ist dein Geld bei jeder lizenzierten Bank in der EU gleich sicher, ob Sparkasse, Direktbank oder Neobank mit Auslandslizenz. Die Unterschiede liegen in der Zusatzsicherung oberhalb dieser Grenze, in der Frage, welche Behörde im Ernstfall zahlt, und in der Lizenzart des Anbieters. Prüfe Impressum und Preisverzeichnis einmal gründlich, verteile größere Summen auf mehrere Institute und halte ein zweites Konto. Dann spricht aus Sicherheitsgründen nichts gegen eine Neobank.

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