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Kontowechsel in 10 Tagen: So nutzt du den gesetzlichen Kontowechselservice

Seit 2016 müssen Banken beim Kontowechsel helfen. Wir zeigen Schritt für Schritt, wie der Wechsel läuft, welche Fristen gelten und wo die Stolperfallen liegen.

Lukas BrandtAktualisiert 24. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit

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Viele bleiben jahrelang bei einer Bank, deren Konto längst Geld kostet, weil der Wechsel nach Arbeit klingt: Arbeitgeber informieren, Vermieter, Versicherungen, Streaming-Dienste, das Finanzamt. Dabei ist der Kontowechsel seit 2016 gesetzlich geregelt und dauert bei sauberer Vorbereitung rund zwei Wochen. Dieser Ratgeber erklärt, was die Bank für dich übernehmen muss, was du selbst tun solltest und wie du die Übergangsphase ohne Rücklastschrift überstehst.

Was das Gesetz dir garantiert

Grundlage ist das Zahlungskontengesetz (ZKG), das eine EU-Richtlinie umsetzt. Es verpflichtet beide Banken, dir beim Umzug des Kontos zu helfen, und zwar kostenlos. Du erteilst der neuen Bank eine Ermächtigung, die daraufhin bei der alten Bank alle Daten anfordert: wiederkehrende Überweisungen, Daueraufträge und die Liste der Lastschriftgläubiger der letzten 13 Monate.

Die Fristen sind eng: Die neue Bank muss innerhalb von zwei Geschäftstagen nach deiner Ermächtigung aktiv werden, die alte Bank hat dann fünf Geschäftstage, um die Daten zu liefern und auf Wunsch Daueraufträge zu löschen und das Restguthaben zu übertragen. Anschließend richtet die neue Bank innerhalb von fünf Geschäftstagen die Daueraufträge ein und informiert Zahlungspartner über deine neue IBAN. Rechnerisch sind das zwölf Geschäftstage, also etwa zweieinhalb Wochen. In der Praxis geht es oft schneller, weil die großen Direktbanken den Prozess digital abbilden.

Die zwei Wege: Bank-Service oder digitaler Wechselservice

Praktisch alle Banken bieten heute zwei Varianten an.

Der gesetzliche Kontowechselservice per Formular: Du füllst bei der neuen Bank ein Formular aus, unterschreibst, und die Banken tauschen die Daten untereinander aus. Das funktioniert zuverlässig, du siehst aber nicht im Detail, welche Zahlungspartner informiert wurden.

Der digitale Kontowechselservice über einen Dienstleister wie Kontowechsel24 oder finleap/Qwist, den viele Direktbanken in den Kontoeröffnungsprozess eingebaut haben: Du loggst dich mit den Zugangsdaten deines alten Kontos ein, der Dienst liest die Umsätze der letzten 12 bis 13 Monate aus, erkennt wiederkehrende Zahlungen und schlägt dir eine Liste vor. Du wählst aus, wer informiert werden soll, und der Dienst verschickt die Mitteilungen in deinem Namen. Das ist komfortabler und transparenter, setzt aber voraus, dass du einem Drittanbieter kurzfristig Lesezugriff auf dein Konto gibst. Nach dem Wechsel kannst du den Zugriff widerrufen.

Beide Wege sind kostenlos. Der digitale ist in der Regel schneller und zeigt dir, was passiert. Der Formularweg ist die richtige Wahl, wenn du keinen Drittzugriff auf dein Konto möchtest.

Schritt für Schritt: Der Zeitplan

Tag 0: Neues Konto eröffnen

Eröffne das neue Konto, bevor du das alte kündigst. Die Legitimation läuft per Video-Ident oder in einer Postfiliale, die Karte kommt je nach Bank in drei bis zehn Tagen. Achte darauf, dass alle Bedingungen für die kostenlose Kontoführung erfüllt sind, bevor du dein Gehalt umleitest. Wie die typischen Bedingungen aussehen, erklären wir im Ratgeber zum kostenlosen Girokonto.

Tag 1 bis 3: Kontowechselservice starten

Starte den Wechselservice direkt nach der Eröffnung. Bei den digitalen Diensten siehst du sofort die Liste der erkannten Zahlungspartner. Prüfe sie kritisch: Einmalige Zahlungen tauchen manchmal als wiederkehrend auf, und unregelmäßige Zahlungen wie die jährliche Kfz-Versicherung oder der Beitrag des Sportvereins fehlen, weil sie außerhalb des Auslesezeitraums lagen.

Tag 3 bis 10: Zahlungspartner werden informiert

Jetzt gehen die Mitteilungen raus. Rechne damit, dass nicht alle Empfänger sofort reagieren. Große Unternehmen wie Telekommunikationsanbieter oder Versicherer ändern die Bankverbindung meist innerhalb weniger Tage, kleine Vereine oder Vermieter brauchen manchmal eine persönliche Nachricht. Prüfe parallel, ob dein Arbeitgeber die neue IBAN rechtzeitig vor dem nächsten Gehaltslauf hat. Hier gilt: lieber selbst anstoßen als warten.

Tag 10 bis 60: Beide Konten parallel laufen lassen

Der häufigste Fehler beim Kontowechsel ist, das alte Konto zu früh zu kündigen. Lass es mindestens zwei, besser drei Monate parallel laufen und halte dort ein Guthaben vor, das die größten Abbuchungen deckt. So fängst du Lastschriften ab, die noch auf die alte IBAN laufen, ohne eine Rücklastschrift zu riskieren. Einige Banken bieten für diese Phase eine Weiterleitung von Lastschriften an, verlass dich aber nicht darauf.

Nach 2 bis 3 Monaten: Altes Konto kündigen

Wenn auf dem alten Konto zwei Monate lang keine Bewegung mehr war, kannst du kündigen. Die Kündigung eines Girokontos ist jederzeit und ohne Frist möglich, Banken dürfen dafür kein Entgelt verlangen. Lass dir das Restguthaben auf das neue Konto überweisen und bitte um eine schriftliche Bestätigung der Kontoauflösung.

Die Stolperfallen

Jährliche Zahlungen. Kfz-Versicherung, Rundfunkbeitrag bei jährlicher Zahlweise, Mitgliedsbeiträge, Software-Abos: Alles, was nur einmal im Jahr abgebucht wird, übersieht ein Wechselservice leicht, wenn die letzte Abbuchung länger als 13 Monate zurückliegt oder gerade knapp außerhalb des Zeitraums lag.

Mandate, nicht nur IBANs. Bei SEPA-Lastschriften hat der Gläubiger ein Mandat mit deiner alten IBAN. Die Mitteilung über die neue Bankverbindung ersetzt das Mandat in der Praxis, einige Unternehmen verlangen aber ein neues formales Mandat. Prüfe die Rückmeldungen.

Behörden und Arbeitgeber. Finanzamt, Familienkasse, Rentenversicherung, BAföG-Amt und Arbeitgeber werden von vielen Wechselservices nicht automatisch angeschrieben, weil sie keine Lastschriften einziehen, sondern überweisen. Hier musst du selbst aktiv werden.

Dispo auf dem alten Konto. Hast du dein altes Konto überzogen, musst du es vor der Kündigung ausgleichen. Die Bank löst ein Konto mit Sollsaldo nicht auf.

Gemeinsame Konten. Bei einem Gemeinschaftskonto müssen beide Inhaber den Wechsel unterschreiben.

Lohnt sich der Aufwand?

Rechne nach: Ein Kontomodell mit 7,90 Euro Grundgebühr und 1 Euro pro beleghafter Buchung kostet schnell 100 bis 150 Euro im Jahr. Dazu kommen oft 30 bis 40 Euro für die Girocard und 30 bis 60 Euro für eine Kreditkarte. Über zehn Jahre sind das 1.500 Euro oder mehr für eine Leistung, die bei vielen Direktbanken unter Bedingungen kostenlos ist. Dafür lohnt sich eine halbe Stunde Vorbereitung und ein Nachmittag Nacharbeit allemal.

Wechseln lohnt sich auch, wenn deine Bank Leistungen gestrichen hat: Kreditkarte nur noch gegen Gebühr, Bargeld nur noch an eigenen Automaten, Dispozins über dem Marktdurchschnitt. Ein Blick in unseren Vergleich zeigt, was aktuell bei den großen Anbietern Standard ist.

Fazit

Der Kontowechsel ist seit 2016 ein geregelter Prozess mit festen Fristen und ohne Kosten. Die Banken müssen helfen, und die digitalen Wechselservices der Direktbanken nehmen dir den Großteil der Arbeit ab. Entscheidend sind drei Dinge: neues Konto zuerst eröffnen, eigene Liste der Zahlungspartner führen und das alte Konto mindestens zwei Monate parallel laufen lassen. Dann ist der Wechsel in zwei Wochen erledigt und du sparst über die Jahre einen dreistelligen Betrag.

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