Kostenloses Girokonto: Die Bedingungen im Kleingedruckten
Kostenlos heißt selten bedingungslos. Wir zeigen, welche Bedingungen Banken an die Gratis-Kontoführung knüpfen, was bei Nichterfüllung fällig wird und wo versteckte Kosten lauern.
Lukas BrandtAktualisiert 24. Oktober 2026 8 Min. Lesezeit
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„Kostenloses Girokonto" steht auf fast jeder Bankwerbung. Liest man das Preis- und Leistungsverzeichnis, bleibt davon oft ein Konto, das unter bestimmten Bedingungen kostenlos ist, und eine Gebührentabelle, die an anderen Stellen zuschlägt. Wir haben die Preisverzeichnisse der zehn Anbieter aus unserem Vergleich durchgesehen und zeigen, welche Bedingungen üblich sind, was sie in der Praxis bedeuten und wo das Geld wirklich abfließt. Alle Angaben Stand: Oktober 2026.
Die drei Modelle der kostenlosen Kontoführung
Modell 1: Kostenlos ohne Bedingung
Einige Banken verlangen tatsächlich nichts für die Kontoführung, egal was auf dem Konto passiert. Im Vergleich sind das C24 Bank (Tarif Smart), Openbank (BestGiro), N26 (Standard) und Trade Republic. Hier gibt es keinen Mindestgeldeingang, keine Altersgrenze und keine Umsatzpflicht. Das Geschäftsmodell funktioniert über Zusatzprodukte, Bezahl-Tarife, Zinsmargen und, bei C24, die Verzahnung mit dem Vergleichsportal.
Bedingungslos kostenlos heißt aber nicht gebührenfrei. Die Unterschiede liegen in den Nebenkosten: N26 verlangt 10 Euro für die physische Karte und ab der dritten Abhebung im Monat 2 Euro, Trade Republic 5 Euro für die Karte und 1 Euro für Abhebungen unter 100 Euro, Openbank 4,95 Euro ab der siebten Abhebung. C24 Smart begrenzt auf vier kostenlose Abhebungen, danach 2 Euro.
Modell 2: Kostenlos ab Geldeingang
Das klassische Direktbankmodell: Die Kontoführung kostet 4 bis 5 Euro im Monat, entfällt aber, wenn monatlich eine bestimmte Summe eingeht. Die DKB verlangt 700 Euro, sonst 4,50 Euro; die Consorsbank 700 Euro, sonst 4 Euro; comdirect 700 Euro, sonst 4,90 Euro; die ING seit Dezember 2024 1.000 Euro, sonst 4,90 Euro.
Was als Geldeingang zählt, steht im Preisverzeichnis und ist nicht einheitlich. In der Regel zählen alle Gutschriften von fremden Konten: Gehalt, Rente, Unterhalt, Überweisungen von Dritten. Nicht gezählt werden meist Umbuchungen von eigenen Konten bei derselben Bank, Bareinzahlungen und bei manchen Banken Rückbuchungen. Wer sein Gehalt auf ein anderes Konto bekommt und monatlich 700 Euro von dort überweist, erfüllt die Bedingung bei den meisten Banken trotzdem, weil die Überweisung von einer fremden Bank kommt.
Modell 3: Alternative Bedingungen
Einige Banken bieten mehrere Wege zur kostenlosen Führung. comdirect ist hier am flexibelsten: Statt 700 Euro Geldeingang reichen drei Zahlungen mit Apple Pay oder Google Pay im Monat, eine Wertpapiertransaktion oder ein Sparplan. Außerdem ist das Konto in den ersten sechs Monaten bedingungslos kostenlos. Altersgrenzen sind der zweite verbreitete Weg: DKB, ING und comdirect (dort nur in Ausbildung) bis 28, die Consorsbank sogar bis 31. Die Commerzbank geht einen anderen Weg: Das GiroKonto wird nur ab 50.000 Euro Vermögen bei der Bank kostenlos, eine Geldeingangsregel gibt es nicht mehr.
Was passiert, wenn die Bedingung nicht erfüllt ist
Der Mechanismus ist simpel: Die Bank prüft am Monatsende und bucht die Grundgebühr ab, wenn die Bedingung nicht erfüllt war. Im Vergleich sind das 4 Euro (Consorsbank), 4,50 Euro (DKB) oder 4,90 Euro (ING, comdirect, Commerzbank). Aufs Jahr gerechnet 48 bis 59 Euro, also ungefähr so viel wie eine klassische Filialbank verlangt.
Zwei Gruppen trifft das regelmäßig: Menschen mit unregelmäßigem Einkommen, etwa Selbstständige, Minijobber oder Studierende über der Altersgrenze, und alle, die ein Konto als Zweitkonto nutzen und darauf keine Eingänge haben. Für beide Gruppen ist ein Konto nach Modell 1 die bessere Wahl, auch wenn das Hauptkonto bei einer anderen Bank liegt.
Die versteckten Kosten jenseits der Kontoführung
Die Kontoführungsgebühr ist nur ein Posten. In den Preisverzeichnissen stehen weitere, die im Alltag oft mehr ausmachen.
Die Girocard. Die klassische deutsche Debitkarte war früher immer inklusive. Heute kostet sie bei der DKB 0,99 Euro, bei comdirect 1 Euro und bei der ING 1,49 Euro im Monat. N26 und Trade Republic geben gar keine aus. Kostenlos ist sie bei C24, Openbank, Consorsbank und Commerzbank. Wer sie braucht, zahlt bei den anderen bis zu 18 Euro im Jahr zusätzlich.
Fremdwährungsgebühren. Beim Bezahlen außerhalb des Euroraums berechnen ING 2,20 Prozent, DKB ohne Aktivstatus 2,20 Prozent, Consorsbank 2,10 Prozent, comdirect 1,75 Prozent und Commerzbank 1 Prozent. Ohne Aufschlag zahlen Kunden von C24, N26, Openbank, Trade Republic und DKB mit Aktivstatus. Bei 2.000 Euro Urlaubsausgaben in Fremdwährung sind das bis zu 44 Euro Unterschied.
Bargeld. Die Modelle reichen von „weltweit unbegrenzt ab 50 Euro" (DKB in Euro) über „sechsmal im Monat" (Openbank), „viermal" (C24), „dreimal" (comdirect) bis „zweimal" (N26). Zusatzabhebungen kosten 2 bis 4,95 Euro. Mindestbeträge sind die zweite Hürde: Unter 50 Euro verlangt die Consorsbank 1,95 Euro, unter 100 Euro Trade Republic 1 Euro.
Die physische Karte. N26 verlangt 10 Euro, Trade Republic 5 Euro einmalig. Bei allen anderen ist die Karte inklusive.
Der Dispo. Kein Entgelt, aber der größte Kostenblock, wenn du ihn nutzt: Die Sätze reichen von 7,49 Prozent (C24, bonitätsabhängig) bis 13,4 Prozent (N26). Mehr dazu in unserem Ratgeber zum Dispozins.
Papier und Service. Beleghafte Überweisungen kosten bei der Commerzbank 3,90 Euro, Kontoauszüge per Post, Ersatzkarten und Eilüberweisungen sind fast überall kostenpflichtig. Wer digital arbeitet, umgeht das vollständig.
Beispielrechnung: Drei Nutzertypen, drei Ergebnisse
Die folgenden Rechnungen sind Beispiele mit den Konditionen aus den Preisverzeichnissen, Stand Oktober 2026, ohne Dispo.
Die Angestellte mit 2.800 Euro Gehalt, zwei Abhebungen im Monat, 1.500 Euro Fremdwährungsumsatz im Jahr. Bei der DKB mit Aktivstatus: 0 Euro Kontoführung, 0 Euro Bargeld, 0 Euro Fremdwährung, insgesamt 0 Euro. Bei der ING: 0 Euro Kontoführung, 0 Euro Bargeld, 33 Euro Fremdwährung, insgesamt 33 Euro. Bei C24 Smart: 0 Euro in allen Posten.
Der Student, 24 Jahre, 450 Euro Nebenjob, vier Abhebungen im Monat, kein Ausland. Bei DKB und ING: kostenlos wegen der Altersgrenze, Bargeld frei, 0 Euro. Bei N26 Standard: 0 Euro Kontoführung, aber zwei Zusatzabhebungen pro Monat zu 2 Euro, also 48 Euro im Jahr, plus 10 Euro Karte. Bei Openbank: 0 Euro.
Die Selbstständige mit schwankendem Eingang, 35 Jahre, Girocard für Lieferanten, drei Abhebungen im Monat. Bei der ING in vier Monaten unter 1.000 Euro: 4 × 4,90 Euro plus 12 × 1,49 Euro Girocard, zusammen 37,48 Euro. Bei C24 Smart: 0 Euro, Girocard inklusive. Bei Openbank: 0 Euro, Girocard inklusive.
Die Rechnung zeigt: Für klassische Gehaltsempfänger sind die Unterschiede klein, für alle anderen entscheidet das Kleingedruckte.
Checkliste vor der Kontoeröffnung
- Welche Bedingung gilt, und erfülle ich sie in jedem Monat? Gehalt, Rente, Unterhalt zählen; Umbuchungen vom eigenen Konto meist nicht.
- Was kostet der Monat, in dem ich sie nicht erfülle? 4 bis 4,90 Euro sind verschmerzbar, aber nur, wenn es die Ausnahme bleibt.
- Brauche ich eine Girocard, und was kostet sie? Bis zu 18 Euro im Jahr Unterschied.
- Wie oft hebe ich ab, und wie hoch ist der Mindestbetrag? Zwei bis sechs kostenlose Abhebungen sind der Standard, danach wird es teuer.
- Zahle ich außerhalb des Euroraums? Dann ist die Fremdwährungsgebühr wichtiger als die Grundgebühr.
- Kostet die Karte etwas? 5 bis 10 Euro einmalig bei zwei Anbietern.
Fazit
Wirklich kostenlos ohne jede Bedingung sind im Vergleich C24 Smart, Openbank BestGiro, N26 Standard und Trade Republic; am vollständigsten ist das Paket bei C24 und Openbank, weil dort auch die Girocard inklusive ist. Die Direktbank-Klassiker DKB, ING, comdirect und Consorsbank sind für Gehaltsempfänger ebenfalls kostenlos, kassieren aber bei Girocard, Fremdwährung oder Kleinabhebungen. Lies das Preisverzeichnis mit deinem eigenen Nutzungsprofil im Kopf, nicht mit dem Werbeversprechen.
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