Zahnreinigung, Osteopathie, Impfungen: Welche Extras die Kassen wirklich zahlen
Zwischen 0 und 150 Euro für die Zahnreinigung, 90 bis 240 Euro für Osteopathie: Wir vergleichen die Zusatzleistungen von neun Krankenkassen mit Bedingungen und Fallstricken.
Lukas BrandtAktualisiert 24. Oktober 2026 8 Min. Lesezeit
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Rund 95 Prozent der Leistungen sind bei allen gesetzlichen Krankenkassen gleich, weil sie im Gesetz stehen. Die restlichen fünf Prozent sind Satzungsleistungen: Extras, die jede Kasse freiwillig anbietet, um Mitglieder zu gewinnen. Dazu gehören Zuschüsse zur professionellen Zahnreinigung, zur Osteopathie und zu Reiseimpfungen. Genau hier unterscheiden sich die Kassen um mehrere hundert Euro im Jahr. Wir haben die Bedingungen von neun bundesweit geöffneten Kassen verglichen (Stand: Oktober 2026).
Professionelle Zahnreinigung: von null bis 150 Euro
Die PZR ist keine Kassenleistung und kostet je nach Praxis 80 bis 150 Euro pro Sitzung. Zahnärzte empfehlen sie ein- bis zweimal im Jahr. Was die Kassen dazugeben, variiert stark:
- BIG direkt gesund: 150 Euro pro Jahr, aufgeteilt in zwei Zuschüsse à 75 Euro. Der höchste Wert im Vergleich.
- KKH: zweimal pro Jahr jeweils bis zu 60 Euro, insgesamt 120 Euro, auch für Familienversicherte.
- DAK-Gesundheit: bis zu 60 Euro pro Jahr, auch für mitversicherte Kinder; Schwangere bekommen einmalig die vollen Kosten.
- Audi BKK: bis zu 60 Euro pro Jahr, verteilt auf zwei Behandlungen à 30 Euro, aus dem GesundheitExtra-Budget von 200 Euro.
- TK: bis zu 40 Euro einmal pro Jahr ab 18 Jahren.
- IKK classic: bis zu 40 Euro einmal pro Jahr, zusätzlich eine kostenlose PZR bei Zahnärzten im DentNet-Netzwerk.
- hkk: kein fester Zuschuss, aber der Gesundheitszuschuss aus dem Bonusprogramm lässt sich für die PZR einsetzen, und im Kooperationsnetzwerk gibt es sie kostenlos.
- Barmer: kein fester Zuschuss, nur über den Barmer Bonus oder für werdende Mütter.
- HEK: auf der Website nur die Kostenübernahme in der Schwangerschaft dokumentiert.
Achte auf die Rechnung: Sie muss die Leistung als „professionelle Zahnreinigung“ oder mit der Gebührenziffer GOZ 1040 ausweisen, sonst schicken Kassen wie die TK sie zurück. Eingereicht wird fast überall per App.
Osteopathie: 90 bis 240 Euro, fast immer mit Verordnung
Osteopathie gehört nicht zum gesetzlichen Leistungskatalog, die Kassen dürfen sie nur als Satzungsleistung bezuschussen. Alle neun Kassen im Vergleich tun das, bis auf die Barmer. Die Beträge:
- KKH: 4 Sitzungen à 60 Euro, bis zu 240 Euro pro Jahr.
- hkk, IKK classic, BIG direkt gesund: 4 Sitzungen à 40 Euro, bis zu 160 Euro pro Jahr.
- TK, DAK-Gesundheit: 3 Sitzungen à 40 Euro, bis zu 120 Euro pro Jahr.
- Audi BKK: 4 Sitzungen à 30 Euro, bis zu 120 Euro pro Jahr, aus dem GesundheitExtra-Budget.
- HEK: 3 Behandlungen à 30 Euro, bis zu 90 Euro pro Jahr.
- Barmer: kein direkter Zuschuss, nur über den Barmer Bonus oder Familie Plus für Schwangere und Neugeborene.
Die Bedingungen ähneln sich: Du brauchst eine ärztliche Verordnung oder Bescheinigung, bei TK und KKH ausdrücklich vor Behandlungsbeginn. Bei DAK und IKK classic entfällt sie, wenn ein Arzt selbst behandelt. Der Osteopath muss eine qualifizierte Ausbildung nachweisen, meist über die Mitgliedschaft in einem Berufsverband oder die Berechtigung dazu. Eine Sitzung kostet üblicherweise 80 bis 120 Euro; der Zuschuss deckt also einen Teil, nie alles.
Reiseimpfungen: wer 100 Prozent zahlt
Impfungen nach der Schutzimpfungs-Richtlinie sind Pflichtleistung aller Kassen. Reiseimpfungen gegen Hepatitis A und B, Typhus, Gelbfieber, Tollwut, Japanische Enzephalitis oder Cholera sind es nicht, ebenso wenig die medikamentöse Malariaprophylaxe. Hier zahlen:
- hkk: 100 Prozent für empfohlene Reiseimpfungen nach STIKO und für die Malariaprophylaxe.
- KKH: 100 Prozent für Malariaprophylaxe und alle empfohlenen Reiseschutzimpfungen, ohne genannte Obergrenze.
- BIG direkt gesund: Zuschüsse zu Reiseimpfungen für Familien und Studierende laut Website, Beträge nicht beziffert.
TK, Barmer, DAK, HEK, Audi BKK und IKK classic bieten ebenfalls Reiseimpfungen als Satzungsleistung an, teils mit Obergrenzen oder im Rahmen von Budgets; prüfe die genauen Bedingungen vor der Reise. Eine Reiseimpfserie kostet schnell 200 bis 400 Euro, der Unterschied zwischen 100 Prozent und einem Teilzuschuss ist deshalb spürbar.
Weitere Extras, die auffallen
Naturarzneimittel: Die hkk erstattet ärztlich verordnete Mittel aus Homöopathie, Phytotherapie und Anthroposophie bis 100 Euro pro Jahr. HEK und Barmer führen Homöopathie ebenfalls im Katalog.
Präventionskurse: KKH zahlt zweimal jährlich bis 150 Euro, hkk 80 Prozent bis 100 Euro für zwei Kurse, Online-Kurse der hkk-Partner sind kostenlos.
Kinderwunsch: KKH legt bis zu 1.000 Euro je IVF- oder ICSI-Versuch für bis zu drei Versuche drauf, hkk 200 Euro je Versuch für Ehepaare.
Vorsorge ab 18: hkk bezuschusst Check-up und Hautkrebs-Screening schon ab 18 statt ab 35, KKH die Hautkrebsvorsorge zwischen 18 und 34 mit bis zu 50 Euro alle zwei Jahre.
Schwangerschaft: DAK (MamaPLUS), Barmer (Familie Plus mit bis zu 200 Euro), hkk (Budget bis 300 Euro ab der 37. Woche) und HEK haben eigene Pakete.
Beispielrechnung: Was die Extras wert sind
Nehmen wir eine Versicherte, die zweimal im Jahr zur Zahnreinigung geht (je 100 Euro), vier Osteopathie-Sitzungen braucht (je 90 Euro) und alle zwei Jahre eine Reiseimpfserie für 300 Euro macht. Ihre Kosten: 560 Euro im Jahr plus 150 Euro Impfanteil, zusammen 710 Euro.
- KKH: 120 Euro PZR + 240 Euro Osteopathie + 150 Euro Impfungen = 510 Euro zurück. Mehrkosten beim Beitrag gegenüber der hkk bei 3.500 Euro brutto: rund 250 Euro. Gegenüber der hkk bleiben also 200 Euro mehr Zuschuss, aber 250 Euro mehr Beitrag: netto rund 50 Euro schlechter, selbst bei voller Nutzung.
- hkk: 0 Euro PZR (ohne Netzwerk) + 160 Euro Osteopathie + 150 Euro Impfungen = 310 Euro zurück, bei niedrigstem Beitrag. Mit der kostenlosen Netzwerk-Zahnreinigung wächst der Vorteil weiter.
- BIG: 150 Euro PZR + 160 Euro Osteopathie + Reiseimpfungen nach Bedingungen = mindestens 310 Euro, bei 3,69 Prozent Zusatzbeitrag (rund 231 Euro Mehrkosten gegenüber hkk).
- TK: 40 Euro PZR + 120 Euro Osteopathie = 160 Euro, bei 2,69 Prozent Beitrag.
Die Rechnung ist eine Beispielrechnung mit angenommenen Preisen und zeigt vor allem eines: Die teuren Kassen mit hohen Zuschüssen lohnen sich nur für Vielnutzer. Wer nur eine Zahnreinigung im Jahr macht und sonst gesund ist, fährt mit hkk, Audi BKK oder TK günstiger.
Fazit
Bei Zahnreinigung, Osteopathie und Reiseimpfungen trennt sich die Spreu vom Weizen. BIG (150 Euro PZR) und KKH (240 Euro Osteopathie, 120 Euro PZR, 100 Prozent Reiseimpfungen) zahlen am meisten, verlangen aber auch die höchsten Beiträge. Die hkk bietet 160 Euro Osteopathie und volle Reiseimpfungen beim niedrigsten Beitrag, dafür keinen festen PZR-Zuschuss. Barmer und HEK sind bei den Extras am schwächsten. Rechne mit deinem tatsächlichen Bedarf, nicht mit dem Maximum. Und egal bei welcher Kasse: Verordnung vorher holen, Rechnung korrekt ausstellen lassen, per App einreichen.
KKH Kaufmännische Krankenkasse
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