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PKV für Selbstständige: Lohnt sich der Wechsel?

Selbstständige zahlen in der GKV den vollen Beitrag allein. Wann die PKV günstiger ist, welche Risiken sie birgt und worauf Freiberufler beim Tarif achten sollten.

Lukas BrandtAktualisiert 24. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit

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Selbstständige stehen vor der Krankenversicherungsfrage in einer besonderen Lage: Sie dürfen jederzeit in die PKV, bekommen aber in keinem System einen Arbeitgeberzuschuss. Der Vergleich fällt darum anders aus als bei Angestellten, oft zugunsten der PKV, manchmal aber auch deutlich dagegen. Wir rechnen beide Seiten durch und zeigen, welche Tarifmerkmale für Freiberufler und Gewerbetreibende zählen (Stand: Oktober 2026).

Die GKV für Selbstständige: Teurer als viele denken

In der gesetzlichen Krankenversicherung sind Selbstständige freiwillig versichert. Der Beitrag richtet sich nach dem gesamten Einkommen, also auch nach Mieteinnahmen und Kapitalerträgen, nicht nur nach dem Gewinn. Der Beitragssatz liegt 2026 bei 14,6 Prozent (mit Krankengeldanspruch) oder 14,0 Prozent (ohne) plus Zusatzbeitrag der Kasse, im Durchschnitt 2,9 Prozent. Dazu kommt die Pflegeversicherung mit 3,6 Prozent, für Kinderlose 4,2 Prozent.

Zwei Grenzen bestimmen den Rahmen:

  • Mindestbemessungsgrundlage: 2026 werden mindestens 1.318,33 Euro Einkommen im Monat angesetzt, selbst wenn du weniger verdienst. Der Mindestbeitrag liegt damit bei rund 225 Euro Krankenversicherung plus etwa 50 Euro Pflege.
  • Beitragsbemessungsgrenze: 5.812,50 Euro im Monat. Darüber steigt der Beitrag nicht mehr. Der Höchstbeitrag liegt bei rund 1.017 Euro Krankenversicherung plus rund 244 Euro Pflege für Kinderlose, zusammen etwa 1.261 Euro.

Ein Selbstständiger mit 6.000 Euro Monatsgewinn zahlt also rund 1.260 Euro im Monat, ohne dass irgendjemand die Hälfte übernimmt. Das ist der Punkt, an dem die PKV für viele interessant wird.

Die PKV für Selbstständige: Einkommen spielt keine Rolle

In der PKV zahlst du nach Eintrittsalter, Gesundheit und Tarif. Ob du 3.000 oder 15.000 Euro verdienst, ist egal. Die Hallesche veröffentlicht für eine 35-jährige Person mit 1.200 Euro Selbstbehalt Monatsbeiträge von 331,73 Euro (NK.select S) über 526,57 Euro (L) bis 636,00 Euro (XL), jeweils inklusive gesetzlichem Zuschlag (Stand: Oktober 2026). Dazu kommen Pflegepflichtversicherung (grob 60 bis 110 Euro je nach Alter) und, wenn gewünscht, Krankentagegeld.

Für den 35-Jährigen mit gutem Einkommen heißt das: Komforttarif L plus Pflege plus Krankentagegeld rund 700 bis 750 Euro statt 1.261 Euro in der GKV. Die Ersparnis liegt bei etwa 500 Euro im Monat, bei Chefarzt, Zweibettzimmer und deutlich besseren Zahnleistungen.

Die Rechnung kippt bei Familie. Ein Partner ohne eigenes Einkommen und zwei Kinder sind in der GKV beitragsfrei mitversichert. In der PKV zahlt jede Person einen eigenen Beitrag. Mit zwei Kindern und Partner kann der Familienbeitrag in der PKV den GKV-Höchstbeitrag erreichen oder übersteigen.

Krankentagegeld: Der Baustein, den Selbstständige unterschätzen

Angestellte bekommen sechs Wochen Lohnfortzahlung, dann Krankengeld von der Kasse. Selbstständige bekommen nichts, wenn sie nichts vereinbart haben. In der GKV kannst du den Krankengeldanspruch über den allgemeinen Beitragssatz oder einen Wahltarif absichern. In der PKV brauchst du einen Krankentagegeld-Baustein: Du legst fest, ab welchem Tag (etwa dem 22. oder 43.) und in welcher Höhe pro Tag du Geld bekommst.

Faustregel: Das Krankentagegeld sollte deine Fixkosten plus den PKV-Beitrag decken, denn der läuft weiter. Im Allianz-Beispiel kosten 160 Euro pro Tag ab dem 43. Tag 59,20 Euro monatlich für einen 30-Jährigen. Für Selbstständige mit hohen Fixkosten ist ein früherer Beginn sinnvoll, der entsprechend mehr kostet.

Selbstbehalt und Rückerstattung: Hebel für Gesunde

Selbstständige können den Selbstbehalt als Steuerungsinstrument nutzen, weil kein Arbeitgeber mitzahlt und die gesamte Ersparnis bei ihnen landet:

  • Hoher Selbstbehalt senkt den Beitrag spürbar. Hallesche bietet 600, 1.200 oder 3.000 Euro, SIGNAL IDUNA 0, 500 oder 1.000 Euro, ottonova 10, 25 oder 50 Prozent mit Jahresobergrenze. Wer selten zum Arzt geht, fährt mit hohem Selbstbehalt günstiger.
  • Beitragsrückerstattung belohnt leistungsfreie Jahre. HanseMerkur garantiert im Advanced Fit 1.000 Euro, im Best Fit 6 Monatsbeiträge des Grundtarifs; Debeka zahlt bis zu 2 Monatsbeiträge, Allianz 10 Prozent garantiert plus Bonus bis 30 Prozent.
  • Bonus-Varianten wie bei der Hallesche (100 Euro monatlich garantiert statt Selbstbehalt) sind für Selbstständige weniger attraktiv als für Angestellte, weil der Vorteil des vollständig beim Versicherten landenden Bonus bei Arbeitgeberzuschuss entsteht.

Die Gesundheitsprüfung ernst nehmen

Die PKV prüft deine Gesundheit vor Abschluss. Vorerkrankungen führen zu Risikozuschlägen, Ausschlüssen oder Ablehnung. Zwei Regeln:

  1. Vollständig und wahrheitsgemäß antworten. Wer etwas verschweigt, riskiert nach § 19 VVG den Rücktritt des Versicherers, im schlimmsten Fall ohne Versicherungsschutz bei laufender Behandlung.
  2. Anonyme Risikovoranfrage über einen Makler. So erfährst du, wie Versicherer deinen Fall einschätzen, ohne dass eine Ablehnung aktenkundig wird.

Ein Zuschlag von 30 Prozent kann die Ersparnis gegenüber der GKV halbieren. Mit chronischen Erkrankungen ist die GKV oft die bessere Wahl.

Der Weg zurück ist versperrt

Selbstständige kommen aus der PKV praktisch nur über eine sozialversicherungspflichtige Anstellung unter der Versicherungspflichtgrenze (2026: 77.400 Euro) zurück in die GKV. Ab 55 Jahren ist auch das nach § 6 Abs. 3a SGB V ausgeschlossen, wenn du in den letzten fünf Jahren nicht gesetzlich versichert warst. Wer mit 50 den Betrieb aufgibt und angestellt arbeitet, kann zurück; wer mit 56 scheitert, bleibt in der PKV, mit dem Basistarif als Auffangnetz zum GKV-Höchstbeitrag.

Plane deshalb nicht mit dem heutigen Einkommen, sondern mit dem schlechtesten realistischen Jahr. Wenn du dann den PKV-Beitrag noch tragen kannst, ist die Entscheidung tragfähig.

Für wen die PKV als Selbstständiger passt

  • Stabiles Einkommen deutlich über der Beitragsbemessungsgrenze, in guten wie in schlechten Jahren.
  • Keine oder abgeschlossene Familienplanung, oder Partner mit eigenem Einkommen.
  • Guter Gesundheitszustand ohne chronische Erkrankungen.
  • Bereitschaft, Rücklagen für Beitragssteigerungen im Alter zu bilden.
  • Wunsch nach besseren Leistungen und kurzen Wartezeiten.

Für wen die GKV bleibt

  • Schwankendes oder niedriges Einkommen in der Gründungsphase.
  • Familie mit nicht oder gering verdienendem Partner und Kindern.
  • Vorerkrankungen, die Zuschläge oder Ausschlüsse nach sich ziehen.
  • Alter ab 50, wenn ein späterer Wechsel in eine Anstellung denkbar ist.

Fazit

Für gesunde Selbstständige mit stabilem, hohem Einkommen ist die PKV oft mehrere hundert Euro im Monat günstiger als die GKV, bei besseren Leistungen. Das Krankentagegeld gehört zwingend dazu, der Selbstbehalt ist ein wirksamer Hebel, die Rückerstattung ein Bonus für Gesunde. Wer dagegen schwankende Einnahmen, Familie oder Vorerkrankungen hat, fährt mit der GKV sicherer. In beiden Fällen gilt: Die Entscheidung ist bis 55 schwer und danach gar nicht mehr rückgängig zu machen.

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