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Ökostrom-Label erklärt: Grüner Strom, ok-power, TÜV und was dahintersteckt

100 Prozent Ökostrom steht auf fast jedem Tarif. Wir erklären, was Herkunftsnachweise leisten, welche Label echten Zubau garantieren und welche nur prüfen.

Lukas BrandtAktualisiert 24. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit

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„100 Prozent Ökostrom“ steht heute auf fast jedem Tarif, von der Genossenschaft bis zum Konzern. EnBW liefert ihn in allen Tarifen, Vattenfall weist 0,0 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde aus, Tibber und Ostrom werben mit erneuerbarem Strom. Trotzdem fördert nicht jeder Ökostromtarif die Energiewende. Der Unterschied steckt in den Nachweisen und Labeln, und die sind erklärungsbedürftig (Stand: Oktober 2026).

Der physikalische Irrtum

Aus deiner Steckdose kommt immer derselbe Strommix wie beim Nachbarn, egal welchen Tarif du hast. Das Netz kennt keine Farben. „Ökostrom beziehen“ heißt also: Dein Anbieter kauft für deinen Verbrauch die entsprechende Menge Strom aus erneuerbaren Anlagen ein und weist das nach. Die Frage ist nur, wie.

Herkunftsnachweise: Der Mindeststandard

Jede erneuerbare Anlage in Europa, die keine EEG-Förderung bekommt, erhält pro erzeugter Megawattstunde einen Herkunftsnachweis (HKN). In Deutschland verwaltet das Umweltbundesamt das Register. Diese Nachweise sind handelbar, unabhängig vom Strom selbst. Ein Anbieter kann also Graustrom an der Börse kaufen und dazu Herkunftsnachweise aus norwegischen Wasserkraftwerken, und darf den Tarif dann als 100 Prozent Ökostrom kennzeichnen.

Genau das ist bei vielen Tarifen der Fall. Vattenfall gibt an, dass seine Nachweise vor allem aus Schweden und Norwegen stammen, EnBW beschafft europaweit, Rabot Energy nennt Finnland, Norwegen und Portugal. Das ist legal, transparent und besser als nichts, aber es baut keine einzige neue Anlage. Norwegische Wasserkraftwerke stehen seit Jahrzehnten; der Nachweis kostet den Anbieter oft nur Bruchteile eines Cents pro Kilowattstunde.

TÜV-Zertifikate: Geprüft, aber nach welchen Kriterien?

TÜV Nord, TÜV Süd und TÜV Rheinland vergeben Zertifikate für Ökostromprodukte. LichtBlick, Ostrom, Polarstern und Naturstrom nennen eine TÜV-Prüfung. Das Problem: TÜV-Zertifikate sind kein einheitliches Label. Jede Prüfgesellschaft hat eigene Kriterienkataloge, und die reichen von „Herkunft korrekt nachgewiesen“ bis zu „Anbieter investiert in Neuanlagen“. Welche Variante gilt, steht im Zertifikat, selten auf der Werbeseite. Ein TÜV-Siegel ist deshalb ein Hinweis auf Seriosität, aber kein Beleg für Zubau.

Grüner Strom Label: Der Zubau-Standard

Das Grüner Strom Label wird vom gleichnamigen Verein getragen, hinter dem Umwelt- und Verbraucherverbände wie BUND, NABU und die Verbraucher Initiative stehen. Es zertifiziert einzelne Tarife und ist das strengste verbreitete Label in Deutschland. Die Kernanforderung: Pro verkaufter Kilowattstunde muss der Anbieter einen festen Betrag in neue Anlagen oder Energiewende-Projekte investieren. Naturstrom und Polarstern nennen 1 Cent pro kWh. Zusätzlich darf der Strom nicht aus Anlagen stammen, die einem Atom- oder Kohlekonzern gehören, und der Anbieter muss unabhängig prüfen lassen.

Naturstrom erhielt 1999 als erster Tarif das Label und trägt es seitdem durchgehend. Polarstern und Green Planet Energy sind ebenfalls zertifiziert. Das Pendant für Gas heißt Grünes Gas Label; es tragen unter anderem Naturstrom und Green Planet Energy.

ok-power: Das Anbieter-Siegel

ok-power stammt von EnergieVision e.V., einem Verein aus dem Umfeld des Freiburger Öko-Instituts. Auch hier geht es um Zubau: Ein Teil des Stroms muss aus Anlagen stammen, die nicht älter als sechs Jahre sind, oder der Anbieter muss in neue Anlagen investieren. Dazu kommen Anforderungen an faire Verträge, etwa keine überlangen Laufzeiten und keine Vorkasse.

Es gibt zwei Stufen: ok-power für einzelne Tarife und ok-power-plus für Anbieter, die ausschließlich Ökostrom verkaufen und noch strengere Kriterien erfüllen. Green Planet Energy trägt ok-power-plus. Octopus Energy nennt eine Zertifizierung durch EnergieVision; welche Stufe das ist, solltest du beim Anbieter nachlesen.

Greenpeace-Kriterien und Eigenlabels

Green Planet Energy, ehemals Greenpeace Energy, arbeitet zusätzlich nach den Greenpeace-Kriterien für sauberen Strom. Sie verlangen unter anderem einen steigenden Mindestanteil von Wind und Solar und eine zeitgleiche Einspeisung zum Verbrauch, geprüft von OmniCert und TÜV Nord. Das geht über die meisten Label hinaus, gilt aber nur für diesen Anbieter.

Eigenlabels wie „Ostrom certified“ oder Konzern-Siegel sagen wenig. Auch B-Corp-Zertifizierungen, die Ostrom und Polarstern tragen, bewerten das Unternehmen als Ganzes, nicht den Strom.

Regionalstrom: Die Anlage um die Ecke

Seit 2019 gibt es zusätzlich Regionalnachweise. Sie belegen, dass der Strom aus EEG-geförderten Anlagen im Umkreis von 50 Kilometern um deinen Wohnort stammt. Naturstrom nutzt sie für seine Städtetarife, bei denen du Strom aus Anlagen in der Nähe beziehst. Regionalstrom fördert nicht automatisch Zubau, schafft aber Transparenz und Akzeptanz vor Ort. Wer wissen will, welches Windrad seinen Strom liefert, findet hier eine Antwort, die Herkunftsnachweise aus Norwegen nicht geben.

Was Stromkennzeichnung verrät

Jeder Anbieter muss auf Rechnung und Website seinen Strommix ausweisen. Zwei Zeilen sind interessant: „Erneuerbare Energien, gefördert nach EEG“ ist der Anteil, den jeder Haushalt in Deutschland über die Umlagen mitfinanziert; er steht bei allen Anbietern ähnlich hoch und sagt nichts über den Tarif. „Sonstige erneuerbare Energien“ oder „Erneuerbare mit Herkunftsnachweis“ ist der Anteil, den der Anbieter aktiv eingekauft hat. Steht dort 100 Prozent minus EEG-Anteil, ist der Tarif bilanziell grün. Woher die Nachweise stammen, steht meist erst auf Nachfrage oder in Fußnoten.

Checkliste: Echter Ökostrom in drei Fragen

  1. Trägt der Tarif Grüner Strom Label oder ok-power? Dann ist Zubau garantiert.
  2. Wo stehen die Anlagen? Naturstrom und Polarstern liefern laut eigener Angabe aus deutschen Anlagen, Green Planet Energy aus Deutschland und Österreich. Skandinavische Wasserkraft-Nachweise sind ein Hinweis auf reinen Zertifikatehandel.
  3. Wem gehört der Anbieter? Unabhängige Anbieter und Genossenschaften stecken Gewinne eher in Erneuerbare als Konzerne mit fossilem Kraftwerkspark. LichtBlick gehört zu Eneco, Yello zu EnBW.

Fazit

„100 Prozent Ökostrom“ ist ein Mindeststandard, kein Qualitätsmerkmal. Wer mit seinem Tarif tatsächlich neue Anlagen finanzieren will, achtet auf Grüner Strom Label oder ok-power und auf die Herkunft der Anlagen. Das kostet meist ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde mehr, bei 3.000 kWh also 30 bis 60 Euro im Jahr. Wer nur kein Geld an fossile Erzeugung geben will, ist mit jedem HKN-Tarif eines unabhängigen Anbieters gut bedient.

Naturstrom

Ökostrom-Pionier mit Grüner Strom Label seit 1999, eigenen Anlagen und Förderbeitrag

Zu Naturstrom, Grüner Strom Label seit 1999

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