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Preisgarantie und Kündigungsfrist: Die Vertragsfallen beim Strom- und Gasvertrag

Energiepreisgarantie, Netto-Preisgarantie, Bonus, Laufzeit: Wir erklären die Klauseln in Strom- und Gasverträgen, die im zweiten Jahr teuer werden.

Lukas BrandtAktualisiert 24. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit

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Der Vergleichsrechner zeigt einen Tarif mit „24 Monaten Preisgarantie“ und 150 Euro Bonus. Ein Jahr später kommt ein Brief: Der Preis steigt, wegen gestiegener Netzentgelte und Umlagen. Die Garantie galt nämlich nur für den Energieanteil. Solche Überraschungen sind keine Betrugsfälle, sondern das Ergebnis von Begriffen, die Anbieter unterschiedlich füllen. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Klauseln und wie du sie vor der Unterschrift prüfst (Stand: Oktober 2026).

Woraus der Strompreis besteht

Dein Arbeitspreis pro Kilowattstunde setzt sich grob aus drei Blöcken zusammen: dem Energiepreis, den der Anbieter für Beschaffung und Vertrieb kalkuliert, den Netzentgelten und Messkosten, die der Netzbetreiber festlegt, und den staatlichen Bestandteilen wie Stromsteuer, Konzessionsabgabe, Umlagen und Mehrwertsteuer. Der Energieanteil macht je nach Marktlage ein Drittel bis die Hälfte aus. Die anderen Blöcke sind nicht vom Anbieter beeinflussbar, ändern sich aber jedes Jahr zum 1. Januar.

Genau an dieser Dreiteilung setzen die Garantie-Varianten an.

Drei Arten von Preisgarantie

Energiepreisgarantie. Der Anbieter garantiert nur seinen eigenen Anteil. Steigen Netzentgelte oder Umlagen, darf er den Preis anpassen, auch während der Garantiezeit. Das ist die häufigste Variante. Polarstern beschreibt sie für Komfort Plus offen, Naturstrom für die Fix-Tarife, LichtBlick nennt sie in der Fußnote neben der eingeschränkten Variante.

Eingeschränkte Preisgarantie. Zusätzlich zum Energieanteil sind die Netzentgelte und meist die Messkosten garantiert. Nur Steuern, Abgaben und Umlagen bleiben ausgenommen. EnBW nennt seine Variante Netto-Preisgarantie: Der Preis bleibt für 18 oder 24 Monate unverändert, mit Ausnahme von Änderungen bei Strom- und Umsatzsteuer sowie neuen Steuern und Abgaben. Das ist für dich spürbar besser als eine reine Energiepreisgarantie.

Vollständige Preisgarantie. Alle Bestandteile inklusive Steuern sind fest. Das bieten praktisch nur noch wenige Anbieter, weil das Risiko für sie zu hoch ist.

Laufzeit ist nicht Garantiedauer

Eine 24-monatige Preisgarantie bedeutet nicht automatisch 24 Monate Laufzeit, und umgekehrt. EnBW Strom M kombiniert 12 Monate Mindestlaufzeit mit 18 Monaten Garantie: Nach dem ersten Jahr kannst du kündigen, der Preis bleibt aber bis Monat 18 stabil, wenn du bleibst. Das ist kundenfreundlich. Umgekehrt gibt es Tarife mit 24 Monaten Laufzeit und 12 Monaten Garantie: Im zweiten Jahr bist du gebunden, der Preis aber frei. Das ist die ungünstigste Kombination.

Naturstrom fix zeigt eine dritte Variante: Die Erstlaufzeit endet fix am 31.12.2027, egal ob du im Januar oder Dezember 2026 einsteigst. Wer spät einsteigt, hat kurze Bindung; wer früh einsteigt, lange.

Kündigungsfrist: Was seit 2022 gilt

Seit März 2022 gelten für Energieverträge mit Verbrauchern klare Regeln. Die erste Laufzeit darf höchstens 24 Monate betragen. Danach darf sich der Vertrag nicht mehr um ein weiteres Jahr verlängern, sondern nur noch auf unbestimmte Zeit, und du kannst ihn dann mit einem Monat Frist kündigen. Die Kündigungsfrist zum Ende der Erstlaufzeit kann aber länger sein, oft vier bis sechs Wochen. EnBW nennt vier Wochen zum Ende der Mindestvertragslaufzeit, Polarstern und Naturstrom vier Wochen bei den laufzeitfreien Tarifen, Octopus 30 Tage, Tibber beim dynamischen Tarif 14 Tage.

Verpasst du die Frist zum Ende der Erstlaufzeit, ist das seit 2022 kein Drama mehr: Du hängst einen Monat länger fest, nicht ein Jahr.

Das Sonderkündigungsrecht

Erhöht der Anbieter den Preis, darfst du außerordentlich kündigen, auch mitten in der Laufzeit. Das gilt auch, wenn die Erhöhung auf gestiegene Netzentgelte zurückgeht und die Energiepreisgarantie formal eingehalten wurde. Der Anbieter muss dich mindestens einen Monat vorher informieren und auf das Kündigungsrecht hinweisen. Du musst bis zum Wirksamwerden der Erhöhung kündigen, danach gilt der neue Preis als akzeptiert.

Wichtig: Eine Preissenkung oder die Weitergabe gesenkter Umlagen löst kein Sonderkündigungsrecht aus. Und beim Umzug kannst du mit zwei Wochen Frist kündigen, wenn der Anbieter an der neuen Adresse nicht zu gleichen Bedingungen liefert.

Die Bonusfalle

Sofort-Bonus und Neukundenbonus machen Tarife im ersten Jahr günstig. Vattenfall zahlt den Sofort-Bonus laut eigener Angabe etwa 60 Tage nach Lieferbeginn und verrechnet den Treue-Bonus nach 12 Monaten. Das Modell ist legitim, hat aber drei Haken:

  1. Der Bonus ist einmalig, der Preis dauerhaft. Im zweiten Jahr zahlst du den Listenpreis, der bei Bonus-Tarifen oft höher ist als bei Tarifen ohne Bonus.
  2. Bedingungen. Manche Boni setzen voraus, dass du zwölf Monate vollständig beliefert wurdest. Wer vorher kündigt, verliert ihn.
  3. Vergleichsrechner. Sie rechnen den Bonus auf das erste Jahr um und zeigen damit einen Preis, den du nur einmal zahlst.

Beispielrechnung mit frei gewählten Werten für 3.000 kWh: Tarif A mit Bonus kostet 30 Cent plus 12 Euro Grundpreis und zahlt 150 Euro Bonus, Tarif B ohne Bonus kostet 31 Cent plus 10 Euro. Jahr eins: A 894 Euro, B 1.050 Euro. Jahr zwei: A 1.044 Euro, B 1.050 Euro. Über zwei Jahre liegt A mit 1.938 Euro vorn, aber nur, wenn du nach Jahr zwei wechselst und A den Preis nicht erhöht. Ostrom, Octopus und Polarstern verzichten auf Boni und setzen auf dauerhaft faire Preise, dafür fehlt der Lockeffekt im ersten Jahr.

Abschlag, Vorkasse, Kaution

Seriöse Anbieter berechnen den monatlichen Abschlag aus deinem Verbrauch und rechnen jährlich ab. Vorsicht bei Tarifen mit Vorkasse für ein ganzes Jahr, Kautionen oder auffällig niedrigen Abschlägen: Geht der Anbieter pleite, ist das Geld weg. Die Anbieterpleiten 2021 und 2022 haben das gezeigt. Zahle per Lastschrift oder Überweisung, nie ein Jahr voraus.

Checkliste vor der Unterschrift

  • Welche Art Preisgarantie gilt: Energiepreis, eingeschränkt oder vollständig?
  • Wie lange gilt die Garantie, und wie lange die Mindestlaufzeit? Passen beide zusammen?
  • Wie lang ist die Kündigungsfrist zum Ende der Erstlaufzeit?
  • Wie hoch ist der Preis im zweiten Jahr ohne Bonus?
  • Gibt es Vorkasse oder Kaution? Dann Finger weg.
  • Trage dir den Termin ein, an dem die Frist zum Ende der Garantie beginnt.

Fazit

Die teuersten Fehler beim Stromvertrag passieren nicht beim Preis pro Kilowattstunde, sondern im Kleingedruckten: Energiepreisgarantie statt eingeschränkter Garantie, Laufzeit länger als Garantie, Bonus statt fairer Dauerpreis. Wer die drei Begriffe kennt, wählt entweder einen Tarif mit Netto-Preisgarantie wie bei EnBW oder gleich einen monatlich kündbaren Tarif ohne Bonus, bei dem es nichts zu verpassen gibt.

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