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Stromanbieter wechseln: Schritt für Schritt zum neuen Tarif

Vom Zählerstand bis zur Schlussrechnung: So wechselst du den Stromanbieter in sieben Schritten, ohne Versorgungslücke und ohne in die Bonusfalle zu tappen.

Lukas BrandtAktualisiert 24. Oktober 2026 8 Min. Lesezeit

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Ein Stromanbieterwechsel dauert online zehn Minuten, und trotzdem bleiben Millionen Haushalte in der Grundversorgung oder in einem alten Tarif, der längst zu teuer ist. Die Sorge, plötzlich ohne Strom dazustehen, ist unbegründet: Der Netzbetreiber muss dich jederzeit versorgen. Was wirklich schiefgehen kann, sind Bonusfallen, verpasste Kündigungstermine und falsche Zählerstände. Diese Anleitung führt dich in sieben Schritten durch den Wechsel (Stand: Oktober 2026).

Schritt 1: Deine Daten zusammensuchen

Du brauchst drei Dinge: deine letzte Jahresrechnung, deinen Zählerstand und die Zählernummer. Auf der Rechnung findest du den Jahresverbrauch in Kilowattstunden, deine Kundennummer beim alten Anbieter und meist auch den Vertragsbeginn. Die Zählernummer steht auf dem Zähler selbst, oft hinter einem Strichcode oder unter „Nr.“.

Falls du gerade eingezogen bist und noch keine Rechnung hast, nimm einen Richtwert: Ein Einpersonenhaushalt verbraucht grob 1.500 kWh im Jahr, ein Vierpersonenhaushalt ohne elektrische Warmwasserbereitung etwa 3.500 bis 4.000 kWh. Mit Wärmepumpe oder E-Auto liegt der Verbrauch deutlich höher.

Schritt 2: Vertrag prüfen, Kündigungstermin notieren

Schau in deinen aktuellen Vertrag oder die letzte Rechnung: Wann endet die Mindestlaufzeit, wie lang ist die Kündigungsfrist? Seit 2022 gilt: Nach der ersten Laufzeit darf sich ein Vertrag nur noch auf unbestimmte Zeit verlängern, und du kannst ihn dann mit einem Monat Frist kündigen. Die Kündigungsfrist vor dem ersten Laufzeitende ist aber oft länger, häufig vier bis sechs Wochen.

In der Grundversorgung kannst du jederzeit mit zwei Wochen Frist kündigen. Bei einer Preiserhöhung hast du ein Sonderkündigungsrecht, das du bis zum Wirksamwerden der Erhöhung ausüben musst.

Schritt 3: Tarif vergleichen, aber richtig

Vergleichsrechner sortieren nach dem Preis im ersten Jahr, inklusive Bonus. Das führt in die Irre. Stelle den Rechner so ein, dass Boni nicht eingerechnet werden, oder rechne den Preis für das zweite Jahr selbst aus: Grundpreis mal zwölf plus Arbeitspreis mal Jahresverbrauch.

Achte auf vier Dinge:

  1. Laufzeit und Kündigungsfrist. Zwölf Monate sind okay, monatlich kündbar ist besser. Anbieter wie Ostrom, Octopus Energy oder Polarstern bieten Tarife ohne Mindestlaufzeit.
  2. Art der Preisgarantie. „Energiepreisgarantie“ sichert nur den Beschaffungsanteil, Netzentgelte und Umlagen dürfen steigen. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu den Vertragsfallen.
  3. Ökostrom-Label. 100 Prozent Ökostrom per Herkunftsnachweis ist Standard. Wer Zubau fördern will, achtet auf Grüner Strom Label oder ok-power, etwa bei Naturstrom oder Polarstern.
  4. Bewertungen zum Service. Zahlt der Anbieter den Bonus pünktlich? Kommen Abschlussrechnungen rechtzeitig? Erfahrungsberichte und Verbraucherzentralen helfen.

Schritt 4: Online abschließen

Der Antrag beim neuen Anbieter fragt Name, Adresse, Zählernummer, Jahresverbrauch, gewünschten Lieferbeginn und den bisherigen Anbieter ab. Wähle „nächstmöglicher Termin“, dann kündigt der neue Anbieter zum Ende deiner Laufzeit. Gib ein Lastschriftmandat nur, wenn du den Anbieter für seriös hältst; alternativ kannst du bei vielen Anbietern per Überweisung zahlen.

Nach dem Abschluss hast du 14 Tage Widerrufsrecht. Der Anbieter bestätigt den Vertrag und nennt den Lieferbeginn. Der gesamte Wechselprozess zwischen Netzbetreiber, altem und neuem Lieferanten muss gesetzlich innerhalb von drei Wochen abgewickelt sein, in der Praxis dauert es wegen der Kündigungsfrist meist länger.

Schritt 5: Zählerstand am Wechseltag ablesen

Am Tag des Lieferbeginns liest du den Zähler ab und fotografierst ihn. Melde den Stand beiden Anbietern, dem alten für die Schlussrechnung und dem neuen für den Startwert. Viele Anbieter fragen den Stand per App oder Formular ab. Versäumst du das, schätzt der Netzbetreiber den Verbrauch, was oft zu deinen Ungunsten ausgeht.

Schritt 6: Schlussrechnung prüfen

Der alte Anbieter muss innerhalb von sechs Wochen nach Lieferende die Schlussrechnung stellen. Prüfe den Zählerstand, den Zeitraum und ob Boni korrekt verrechnet sind. Ein Guthaben muss zügig ausgezahlt werden. Bleibt die Rechnung aus, setze eine Frist und wende dich danach an die Schlichtungsstelle Energie.

Schritt 7: Erinnerung für das nächste Jahr setzen

Trage dir den Termin ein, an dem die Preisgarantie endet und die Kündigungsfrist beginnt. Bei einem Bonus-Tarif ist das der Moment, in dem er teuer wird. Einige Anbieter nehmen dir das ab: Octopus Energy wirbt mit einem Fünf-Jahres-Tarif, der den Tarif jährlich automatisch optimieren soll, Ostrom passt den Preis monatlich dem Markt an. Beides erspart den jährlichen Wechselmarathon, ersetzt aber nicht den Blick auf die Rechnung.

Sonderfall Umzug

Beim Umzug kannst du deinen Vertrag meist mitnehmen oder mit zwei Wochen Frist kündigen, wenn der Anbieter an der neuen Adresse nicht zu gleichen Bedingungen liefert. Melde den Umzug früh, lies den Zähler in der alten und der neuen Wohnung ab und schließe für die neue Adresse rechtzeitig einen Vertrag, sonst landest du in der Grundversorgung des örtlichen Versorgers.

Beispielrechnung: Was der Wechsel bringt

Beispielrechnung für einen Dreipersonenhaushalt mit 3.000 kWh, Zahlen frei gewählt: In der Grundversorgung zahlt er 42 Cent pro kWh und 14 Euro Grundpreis im Monat, also 1.428 Euro im Jahr. Ein Wechsel in einen Tarif mit 32 Cent und 12 Euro Grundpreis kostet 1.104 Euro, eine Ersparnis von 324 Euro. Ein Bonus-Tarif mit 30 Cent, 12 Euro Grundpreis und 150 Euro Bonus kostet im ersten Jahr nur 894 Euro, im zweiten ohne Bonus aber 1.044 Euro, und oft steigt der Preis nach Ende der Garantie. Über zwei Jahre liegen beide Varianten nah beieinander; der Tarif ohne Bonus spart dir den Wechselstress.

Fazit

Der Wechsel ist kein Risiko, sondern Routine: Daten sammeln, Kündigungstermin kennen, Tarif ohne Bonusblick vergleichen, online abschließen, Zählerstand melden, Rechnung prüfen, Erinnerung setzen. Wer sich für einen monatlich kündbaren Tarif oder einen Anbieter mit automatischer Optimierung entscheidet, muss die Übung künftig nur noch selten wiederholen.

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