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Kostenlose VPNs: Was sie können und wo sie dich verkaufen

Proton VPN, Windscribe und hide.me bieten seriöse Gratis-Tarife mit klaren Grenzen. Viele andere Gratis-Apps leben von deinen Daten. So erkennst du sie.

Lukas BrandtAktualisiert 25. Oktober 2026 7 Min. Lesezeit

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Ein VPN kostet Geld: Server in Dutzenden Ländern, Bandbreite, Entwickler, Sicherheitsprüfungen. Wenn du dafür nichts bezahlst, bezahlt jemand anderes. Im besten Fall sind das die zahlenden Kunden desselben Anbieters, die den Gratis-Tarif als Werbung mitfinanzieren. Im schlechtesten Fall bist du selbst die Ware: Deine Daten, deine Bandbreite oder deine Aufmerksamkeit für Werbung werden verkauft. Dieser Ratgeber zeigt, wie du die beiden Fälle auseinanderhältst, was die seriösen Gratis-Tarife leisten und wann ein bezahlter Dienst die bessere Wahl ist.

Wie ein kostenloses VPN Geld verdient

Es gibt im Wesentlichen vier Geschäftsmodelle.

Freemium. Der Anbieter verkauft einen bezahlten Tarif und gibt eine eingeschränkte Version gratis ab: weniger Länder, weniger Geräte, kein Streaming, teils ein Datenlimit. Der Gratis-Tarif ist Marketing, finanziert aus den Abos. Verschlüsselung und Datenschutzregeln sind dieselben wie für zahlende Kunden. So arbeiten Proton VPN, Windscribe und hide.me.

Werbung und Tracking. Die App ist kostenlos, blendet Werbung ein und enthält Tracking-Bausteine, die Gerätekennung, Standort und Nutzungsverhalten an Werbenetzwerke melden. Ein VPN, das dich vor Tracking schützen soll, trackt dich dann selbst.

Verkauf deiner Bandbreite. Manche Dienste funktionieren als Peer-to-Peer-Netz: Du nutzt die Verbindung anderer Nutzer, und andere nutzen deine. Hola VPN beschreibt sein Gratis-Angebot selbst so. Deine IP-Adresse kann dabei für Dinge genutzt werden, die du nicht kennst und nicht kontrollierst, und im Zweifel musst du erklären, was über deinen Anschluss lief.

Betrug. Sicherheitsforscher finden in den App-Stores regelmäßig „VPN“-Apps, die gar nicht verschlüsseln, Schadsoftware nachladen oder Zugangsdaten abgreifen. Sie tragen oft Namen, die bekannten Anbietern ähneln, und sammeln Bewertungen, bevor sie auffallen.

Nur das erste Modell ist mit dem Zweck eines VPN vereinbar. Bei den anderen drei bezahlst du mit genau dem, was du schützen wolltest.

Die seriösen Gratis-Tarife

Drei Anbieter aus unserem Vergleich bieten dauerhaft kostenlose Tarife an, die auf dem Freemium-Modell beruhen.

Proton VPN Free

Der Gratis-Tarif des Schweizer Anbieters kommt ohne Datenlimit und ohne Werbung, laut Anbieter auch ohne Drosselung der Geschwindigkeit (Stand: Oktober 2026). Kill Switch und das Tarnprotokoll Stealth sind enthalten. Die Grenzen: ein Gerät, eine kleine Auswahl an Ländern, kein Streaming und kein P2P. Die No-Logs-Richtlinie gilt nach Angaben von Proton für alle Nutzer gleich, und die Apps sind quelloffen. Für unbegrenztes Surfen im Hotel-WLAN ist das der vollständigste Gratis-Tarif.

Proton VPN Logo

Schweizer Datenschutz, jährliche No-Logs-Audits, riesiges Servernetz und ein brauchbarer Gratis-Tarif. Wer mehr als 10 Geräte schützen will oder den Preissprung nach 24 Monaten scheut, fährt mit PIA oder Mullvad besser.

8,6/10

Windscribe Free

Windscribe gibt kostenlosen Nutzern 10 GB Datenvolumen pro Monat, sobald die E-Mail-Adresse bestätigt ist (Stand: Oktober 2026). Die Auswahl an Standorten ist kleiner als im bezahlten Tarif, innerhalb der freigegebenen Standorte lässt sich der Server aber frei wählen. Der Anbieter sitzt in Kanada. 10 GB reichen für Surfen, Mails und Messenger, nicht für Videostreaming.

hide.me Free

hide.me bietet seit Jahren eine Gratis-Version mit wenigen Standorten, für ein Gerät und ohne Streaming-Support. Die genauen Limits ändert der Anbieter gelegentlich, prüfe sie vor der Installation auf der Angebotsseite. Der Anbieter sitzt in Malaysia.

Allen drei gemeinsam: Du bekommst dieselbe Verschlüsselung wie zahlende Kunden, aber weniger Komfort. Streaming-Server, viele Länder, mehrere Geräte und P2P bleiben den Abos vorbehalten. Das ist fair und offen kommuniziert.

Woran du dubiose Gratis-Apps erkennst

Eine kurze Prüfung vor der Installation reicht meist.

  1. Wer steckt dahinter? Fehlt ein Impressum mit Firmennamen und Adresse oder nennt die Datenschutzerklärung keine Betreibergesellschaft, lass die Finger davon.
  2. Wie verdient der Anbieter Geld? Gibt es keinen bezahlten Tarif und keine erkennbare Finanzierung, wird mit deinen Daten gewirtschaftet. „Für immer kostenlos und unbegrenzt“ ist ein Warnsignal, kein Argument.
  3. Was steht in der Datenschutzerklärung? Formulierungen wie „Weitergabe an Partner“, „zur Verbesserung unserer Dienste“ oder „anonymisierte Nutzungsdaten“ bedeuten in der Praxis oft Datenverkauf.
  4. Welche Berechtigungen fordert die App? Ein VPN braucht Zugriff auf die Netzwerkverbindung, sonst nichts. Kontakte, SMS, Standort oder Mikrofon haben in einer VPN-App nichts zu suchen.
  5. Gibt es einen Kill Switch und moderne Protokolle? Fehlen WireGuard oder OpenVPN und ein Kill Switch, ist die App technisch nicht ernst zu nehmen.
  6. Ist es überhaupt ein VPN? Die in Opera eingebaute Funktion heißt zwar VPN, schützt aber nur den Datenverkehr des Browsers. Andere Apps und das Betriebssystem bleiben außen vor.

Gratis-VPNs von Antivirus-Herstellern sind eine Sonderform: Die Firmen sind bekannt und greifbar, die Datenlimits aber oft so klein, dass der Tarif nur als Köder für das Abo dient.

Was ein Gratis-VPN leisten kann und was nicht

Ein seriöser Gratis-Tarif reicht für drei Dinge: den Schutz im offenen WLAN am Flughafen, im Hotel oder im Café; das Verbergen deiner IP-Adresse vor Websites; und das Umgehen einfacher Sperren in Firmen- oder Uni-Netzen, soweit deren Regeln das erlauben.

Nicht geeignet ist er für Streaming im Urlaub, weil Streaming-Server fehlen oder das Datenlimit nach wenigen Stunden erschöpft ist. Ein Film in Full HD braucht laut Netflix mindestens 5 Mbit/s, das sind rund 2,25 GB pro Stunde (Beispielrechnung, Netflix-Angabe Stand: Oktober 2026). Mit 10 GB Monatsvolumen wären das gut vier Stunden. Auch Torrents, Gaming und die Absicherung eines ganzen Haushalts bleiben den Abos vorbehalten.

Die Alternative: Geld-zurück-Garantie als Gratis-Test

Wer das VPN nur für den Urlaub oder ein paar Wochen braucht, hat eine zweite Option. Fast alle großen Anbieter erstatten innerhalb von 30 Tagen, CyberGhost bei den längeren Paketen sogar innerhalb von 45 Tagen (Stand: Oktober 2026). Du bezahlst, testest mit vollem Funktionsumfang und forderst das Geld zurück, wenn du nicht zufrieden bist. Kaufe dafür direkt auf der Website des Anbieters, denn bei Käufen über App Store oder Google Play gelten die Regeln der Store-Betreiber. Und wer dauerhaft ein VPN ohne Zweijahresbindung will, zahlt bei Mullvad 5 Euro pro Monat ohne Laufzeit (Stand: Oktober 2026).

Fazit

Kostenlose VPNs sind nicht per se schlecht, aber du musst wissen, wer sie bezahlt. Proton VPN Free, Windscribe Free und hide.me Free sind Werbung für ein Abo und funktionieren innerhalb klarer Grenzen zuverlässig: Schutz im offenen WLAN ja, Streaming und Torrents nein. Unbekannte Gratis-Apps mit großen Versprechen finanzieren sich über deine Daten oder deine Bandbreite und machen dich weniger sicher statt sicherer. Wer mehr braucht als Grundschutz, fährt mit einem bezahlten Anbieter und dessen Geld-zurück-Garantie besser. Welche das sind, zeigt unser VPN-Vergleich.

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