Kurzfazit
Die Allianz Private Krankenversicherungs-AG ist der Krankenversicherer des Allianz-Konzerns und mit 4,3 Milliarden Euro Beitragseinnahmen (Geschäftsbericht 2024) einer der drei größten privaten Krankenversicherer in Deutschland. Im Bilanzrating map-report 945 von Franke und Bornberg erreichte sie 2026 als einer von nur drei Anbietern die Höchstnote „mmm+“. Was uns besonders gefällt: Die Allianz veröffentlicht ein vollständiges Beitragsbeispiel und dokumentiert die Beitragsrückerstattung Prozent für Prozent. Günstig ist sie nicht, aber nachvollziehbar.
Leistungen & Konditionen
Kern der Vollversicherung sind die Tarife „MeinGesundheitsschutz“ in den Stufen Plus und Best für Angestellte, Selbstständige und Freiberufler. Für Beamte gibt es „Beihilfeergänzung Plus“ und „Beihilfeergänzung Best“ als Restkostenversicherung, ergänzt um Bausteine für Ein- oder Zweibettzimmer mit Chefarztbehandlung. Berufseinsteiger und Studierende sichern sich mit dem Optionstarif „OptionFlexiMed“ den späteren Wechsel ohne neue Gesundheitsprüfung. Ärzte erhalten Gruppenkonditionen über Ärztekammern und Marburger Bund.
Das veröffentlichte Beispiel (Stand: 2026): Ein kinderloser Angestellter, 30 Jahre, 80.000 Euro Bruttojahreseinkommen, zahlt im Tarif Plus 90 mit Zahn 90 insgesamt 781,24 Euro pro Monat, davon 598,39 Euro für die Tarife, 63,81 Euro Pflegepflichtversicherung, 59,20 Euro Krankentagegeld ab dem 43. Tag (160 Euro/Tag) und 59,84 Euro gesetzlicher Zuschlag. Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil liegen bei je 390,62 Euro. Die Allianz stellt dem einen GKV-Gesamtbeitrag von 1.261,31 Euro gegenüber; der Vergleich stammt vom Anbieter und berücksichtigt keine Steuereffekte.
Im Tarif Plus 90 gilt eine Selbstbeteiligung von 10 Prozent auf ambulante und stationäre Behandlungen, höchstens 500 Euro pro Jahr. Leistungen aus dem „MeinVorsorgeprogramm“ (etwa Krebsvorsorge oder Zahnprophylaxe) sind davon ausgenommen und gefährden auch die Rückerstattung nicht.
Die Beitragsrückerstattung besteht aus 10 Prozent garantiertem Anteil und einem erfolgsabhängigen Bonus: bis zu 20 Prozent nach einem, 25 Prozent nach zwei und 30 Prozent nach drei leistungsfreien Jahren. Beamte erhalten bis zu 35 Prozent, Anwärter bis zu 50 Prozent. Für Kinder gelten höhere Sätze. Wer von einem anderen Versicherer wechselt, bekommt leistungsfreie Vorjahre angerechnet. Der Bonus hängt vom Unternehmensergebnis ab und wird jährlich neu festgelegt (Stand: 2026).
Für Rentner gibt es den Baustein „MeineBeitragsentlastung“, der den Beitrag im Alter senkt. Neugeborene sind in den ersten sechs Monaten beitragsfrei.
Vorteile
- Transparentes Beitragsbeispiel. Komplette Aufschlüsselung inklusive Pflege, Krankentagegeld und gesetzlichem Zuschlag ist in der Branche selten.
- Rückerstattung mit Garantieanteil. 10 Prozent sind fest, der Bonus staffelt sich nachvollziehbar.
- Finanzstärke. „mmm+“ im Bilanzrating 2026 (Franke und Bornberg), Beitragseinnahmen 2025 laut Geschäftsbericht 4,66 Milliarden Euro.
- Digitale Strecke. Gesundheits-App mit Barcode-Scan, Status-Tracking, E-Rezept, Online-Check-in und digitaler Chipkarte für das Krankenhaus.
Nachteile
- Preisniveau. Knapp 600 Euro Tarifbeitrag für einen 30-Jährigen im Plus-Tarif liegen eher im oberen Mittelfeld.
- Anpassung 2026. Medienberichte nennen für die Allianz eine durchschnittliche Erhöhung von rund 11 Prozent zum 1. Januar 2026, nahe am Branchenwert von etwa 13 Prozent, den der PKV-Verband für rund 60 Prozent der Versicherten angekündigt hatte.
- Bonus nicht garantiert. Über 10 Prozent hinaus hängt die Rückerstattung vom Geschäftsergebnis ab.
Wie wir bewertet haben
Beitrag & Stabilität (8,2): Sehr gute Bilanzkennzahlen laut map-report und ein großes Kollektiv sprechen für Stabilität. Die Anpassung 2026 liegt im Branchentrend, der Einstiegsbeitrag im oberen Mittelfeld. Redaktionelle Einschätzung.
Leistungsumfang (8,8): Zwei Leistungsstufen für Angestellte, zwei für Beamte, Optionstarif, Beitragsentlastung, Vorsorgeprogramm ohne Selbstbehalt und beitragsfreie Nachversicherung Neugeborener. Kaum Lücken.
Service & Abwicklung (8,6): App mit vollständigem Prozess von Rechnung bis Status, Direktabrechnung im Krankenhaus per digitaler Karte, großes Vertriebsnetz plus Makler. Abzug für Wartezeiten, die in Bewertungsportalen gelegentlich genannt werden.
Transparenz (8,6): Beitragsbeispiel, Rückerstattungsmatrix und Bedingungen sind öffentlich und datiert. Der GKV-Vergleich auf der Website ist Anbieterrechnung und darum mit Vorsicht zu lesen.
Für wen geeignet
Die Allianz passt zu Angestellten über der Versicherungspflichtgrenze und Selbstständigen, die einen großen, finanzstarken Versicherer mit guter App und klaren Regeln wollen und dafür einen Beitrag im oberen Mittelfeld akzeptieren. Beamte bekommen ausgereifte Beihilfe-Ergänzungen mit Öffnungsaktion. Wer vor allem auf den niedrigsten Einstiegsbeitrag schaut, sollte Hallesche oder HanseMerkur gegenrechnen.
