Kurzfazit
ottonova ist der erste und bislang einzige rein digitale Krankenvollversicherer Deutschlands. Gegründet am 1. Dezember 2015 in München, seit 20. Juni 2017 mit BaFin-Zulassung, arbeitet die ottonova Krankenversicherung AG nach denselben Regeln wie die Traditionsanbieter: Alterungsrückstellungen, Basistarif, Treuhänderverfahren. Der Unterschied liegt in der Abwicklung. App, Concierge und Telemedizin sind das Produkt, nicht ein Anhängsel. Der Preis dafür: ein kleines, junges Kollektiv ohne lange Beitragshistorie und ohne veröffentlichte Versichertenzahlen.
Leistungen & Konditionen
Die Vollversicherung gibt es in drei Standardstufen: Premium Economy als Komforttarif für preisbewusste Angestellte und Selbstständige, Business Class als Tarif mit dem laut Anbieter besten Preis-Leistungs-Verhältnis und First Class als Premiumtarif mit Naturheilverfahren. Die Standardtarife arbeiten mit einem prozentualen Selbstbehalt von 10, 25 oder 50 Prozent, der den Monatsbeitrag senkt; der Höchstbetrag gilt pro Versicherungsjahr, nicht pro Rechnung.
Dazu kommen die Pro-Tarife Business Class Pro (BC100 Pro) und First Class Pro+ (FC100 Pro+): ohne Selbstbehalt, Erstattung ab der ersten Rechnung und mit garantierter Beitragsrückerstattung. First Class Pro+ enthält bis zu neun Monate Beitragsfreiheit während des Elterngeldbezugs. Für alle Pro-Tarife nennt ottonova eine Beitragsgarantie bis Ende 2026 (Eigenangabe, Stand: Oktober 2026); danach gelten die normalen Anpassungsregeln.
Für Beamte und Anwärter gibt es Beihilfetarife, für Studierende und Expats eigene Angebote. Ehepartner und Kinder können mitversichert werden, zahlen aber eigene Beiträge.
Beitragsbeispiele veröffentlicht ottonova nicht. Die Website nennt die Versicherungspflichtgrenze von 77.400 Euro und ein pauschales Einsparpotenzial von „bis zu 2.000 Euro jährlich“ gegenüber der GKV, ohne Rechenweg. Den konkreten Beitrag liefert der Online-Rechner.
Das Herzstück ist die App: Rechnungen hochladen, Erstattungsstatus verfolgen, Vertragsunterlagen durchsuchen, Timeline mit Vorsorgeterminen. Der Concierge vereinbart Arzt- und Therapeutentermine, berät zu Gesundheitsfragen und hilft im Ausland. Die Videosprechstunde läuft über den Partner TeleClinic, auch an Sonn- und Feiertagen, inklusive Krankschreibung und Rezept. ottonova verspricht Erstattungen innerhalb weniger Tage und bietet den Service komplett auf Englisch an.
Vorteile
- Service auf Start-up-Niveau. App, Concierge und Telemedizin sind integriert, nicht angeflanscht.
- Pro-Tarife ohne Selbstbehalt. Erstattung ab der ersten Rechnung, garantierte Rückerstattung, Beitragsfreiheit in der Elternzeit (Pro+).
- Flexibler Selbstbehalt. 10, 25 oder 50 Prozent in den Standardtarifen, Höchstbetrag pro Jahr.
- Expat-tauglich. Englischsprachige Beratung und Abwicklung, eigene Tarife für Zugezogene.
Nachteile
- Kleines, junges Kollektiv. Keine aktuellen Versichertenzahlen, kurze Beitragshistorie.
- Keine öffentlichen Beiträge. Nur ein pauschales Einsparversprechen ohne Rechenweg.
- Beitragsgarantie befristet. Für die Pro-Tarife nur bis Ende 2026 zugesagt.
- Beamte sind Randgruppe. Beihilfetarife existieren, der Fokus liegt klar auf Angestellten, Selbstständigen und Expats.
Wie wir bewertet haben
Beitrag & Stabilität (7,0): Keine Historie, kleines Kollektiv, keine veröffentlichten Bestandszahlen. Das ist kein Vorwurf, aber ein Risiko, das wir abbilden. Redaktionelle Einschätzung, kein Rating.
Leistungsumfang (8,0): Drei Stufen plus Pro-Varianten, Beihilfe- und Expat-Tarife, Elternzeit-Befreiung. Die Leistungsgrenzen der einzelnen Tarife sind nur in den Bedingungen nachlesbar.
Service & Abwicklung (9,0): Die beste Digitalstrecke im Vergleich: Concierge, Telemedizin an sieben Tagen, schnelle Erstattung, englischsprachiger Support.
Transparenz (7,4): Tarifaufbau, Selbstbehalt-Logik und App-Funktionen sind gut erklärt. Beiträge, Versichertenzahlen und die Höhe der garantierten Rückerstattung fehlen.
Für wen geeignet
ottonova passt zu digital-affinen Angestellten über der Versicherungspflichtgrenze, Selbstständigen und Expats, die Arzttermine per App organisieren und Rechnungen in Minuten erledigen wollen. Die Pro-Tarife sind für alle interessant, die keinen Selbstbehalt wollen. Wer Wert auf ein großes Kollektiv und Jahrzehnte Beitragshistorie legt, ist bei Debeka, Allianz oder Hallesche besser aufgehoben.
